Magdeburg l Ja, man kann es sich gut vorstellen, dass diese junge Frau in wenigen Jahren Patienten in einer Arztpraxis empfängt. Lena Grünthal, 20 Jahre jung, ist offen, selbstbewusst und wortgewandt. Gymnasium, Abitur mit einem Schnitt von 1,1 gebaut, nun Medizinstudentin im 4. Semester. Eine Vita, wie es sie so oder ähnlich hundertfach in Deutschland gibt.

Anders als ihre Kommilitonen aber weiß Lena Grünthal schon genau, wo sie einmal praktizieren wird: In ihrer Heimatstadt Osterburg. Hintergrund ist ein bundesweit einmaliges Modell, das helfen soll, den Ärztemangel in ländlichen Gebieten wie der Altmark zu bekämpfen.

700 Euro im Monat

Gegen die Verpflichtung, später eine Arztstelle in Osterburg zu übernehmen, zahlen die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt und die Kommune der angehenden Medizinerin ein Stipendium. Lena Grünthal erhält somit 700 Euro im Monat.

Bei den Studienorten war Magdeburg ihr Wunsch, hier wurde sie auch angenommen. „Die Uni ist übersichtlich, es geht sehr persönlich zu“, sagt Lena: „Wir sind in Seminargruppen mit je 20 Leuten zusammen. Das gefällt mir – Studium wie in einer Familie.“

Stammt aus einer Lehrerfamilie

Für die aus einer Lehrerfamilie stammende Osterburgerin gab es immer nur zwei interessante Berufsrichtungen: pädagogische oder medizinische Ausbildung. „Ich habe mich dann für Medizin entschieden. Einmal, weil ich so meinen eigenen Weg gehen kann. Außerdem hat mir Biologie – vor allem alles, was mit dem Menschen zu tun hat – immer schon Spaß gemacht.“ Die Altmärkerin freut sich darauf, als niedergelassene Ärztin die medizinischen Aspekte des Berufs mit sozialen Komponenten verbinden zu können. Praktische Erfahrungen sammelte sie schon vor dem Studium: in der 10. Klasse in einer Arztpraxis und nach dem Abitur im Pflegebereich im Krankenhaus Seehausen.

Welche enormen Anforderungen der klinische Pflegebereich an die Beschäftigten stellt, erfuhr sie auch beim zum Studium gehörenden Pflegepraktikum. Zwei der dafür vorgesehenen drei Monate hat Lena Grünthal bereits absolviert.

Spezialklasse für Allgemeinärzte

Auf die Möglichkeit des Studiums mit Ortsbindung ist sie nach einigen Tipps und Erkundigungen gestoßen. Zunächst hatte sie auch über die Spezialklasse für Allgemeinärzte an der Hallenser Universität nachgedacht. Sie störte dabei die Festlegung auf die Fachrichtung schon vor dem Studium. Hier möchte sich die junge Frau mit der Entscheidung noch etwas Zeit lassen.

Ihre Verpflichtung bezieht sich auf eine Praxis in Osterburg. Ob als Augenarzt und Allgemeinmediziner – das ist nicht Bestandteil der Vereinbarung.

Verlockungen der Großstadt

Mit der Ortsbindung hingegen hat Lena Grünthal kein Problem. „Ich bin ein typisches Landkind“, sagt sie lächelnd. Die Verlockungen der Großstadt nimmt sie in Magdeburg dennoch gern mit. Mit Kommilitonen und Freunden ist sie am Hasselbachplatz oder dem Stadtpark unterwegs, wenn es das Studium zulässt.

„Ich habe inzwischen zwei Zuhause – eins in Osterburg und eins in Magdeburg“, resümiert Lena zufrieden. Mit der Landeshauptstadt sei aber für sie auch eine Grenze erreicht: „In einer Stadt wie Hamburg halte ich es kaum länger als drei Tage aus.“ Zu viele Menschen, zu viel Trubel.

Sie tanzt für ihr Leben gern

Um den Kopf auszulüften, frönt die Osterburgerin, die in einer festen Beziehung lebt, einem sehr bewegungsintensiven Hobby: Sie tanzt für ihr Leben gern. In der Altmark hat sie selbst Kurse an der Tanzschule gegeben, war Übungsleiterin für Zumba-Kurse, jetzt wirbelt sie im Fitnessstudio umher.

Auch das Lesen liebt Lena. Nur ist ihr abends nur selten danach, gibt sie zu. Weil das tägliche Lehrbuch-Studium ermüdet. Aber ohne geht’s eben nicht.