Archäologie

Tauchaktion zu mittelalterlichem Prahmboot gestartet

Mit aufwendiger Technik haben Unterwasserarchäologen im Arendsee begonnen, ein im Mittelalter gesunkenes Prahmboot zu erforschen. Was erwartet die Taucher und was soll mit dem Jahrhunderte alten Schiff passieren?

Von dpa 27.09.2021, 13:47 • Aktualisiert: 29.09.2021, 21:59

Arendsee/Halle - Mit einer bislang einmaligen Tauchaktion hat am Montag die Erkundung eines rund 800 Jahre alten Prahmbootes im Arendsee begonnen. Prahm war ursprünglich eine flache Fähre, später ein Transportschiff mit schlanker und flacher Rumpfform. „So eine Aktion hat in Deutschland meines Wissens noch nie jemand versucht“, sagte Archäologe und Projektleiter Sven Thomas vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle, der Deutschen Presse-Agentur. „Das Geld, rund 35.000 Euro für die fünftägige Aktion, kommt vom Bund aus dem Programm zum Schutz bedrohter Kulturgüter.“

Direkt beteiligt auf dem See sind 15 Forschungstaucher und Wissenschaftler. „Die kommen nicht nur aus Sachsen-Anhalt sondern unter anderem auch aus Kiel und Düsseldorf“, sagte Thomas.

Insgesamt kommen fünf Boote zum Einsatz. Ein Tauchroboter überwacht und dokumentiert die Unterwasserarbeiten. Der Prahm liegt in einer Tiefe von 30 bis 35 Metern. „Das ist schon ein riskanter Bereich, der erhöhte Sicherheitsmaßnahmen erfordert. Die Forschungstaucher bleiben aufgrund der Tiefe nur maximal 25 Minuten am Boot“, sagte der Projektleiter.

Mit Hilfe eines Pumpensystems wird das Boot von der Sedimentschicht befreit. Gleichzeitig wird das Ganze dokumentiert. „Sobald mit dem Saugen des Sediments begonnen wird, beträgt die Sicht höchstens einen halben Meter“, sagte Thomas. „Es werden auch Teile vom Boot daneben liegen. Planken und vielleicht Holzbänke und Ähnliches.“

Nach Abschluss der Arbeiten am Freitag wird das Boot mit speziellen Textilbahnen vor dem weiteren Zerfall geschützt. Im nächsten Jahr soll dann der Prahm gehoben werden. „Das bedeutet, in der Restaurierungswerkstatt in Halle kommt das 12,5 Meter lange und 2,5 Meter breite Boot in ein Metallbecken und wird dann mit flüssigen Kunststoff komplett abgedeckt“, sagte der Archäologe. So werde das Wasser aus dem Holz verdrängt. Der Vorgang dauere etwa drei Jahre. Danach werde das Boot bevorzugt im Ort Arendsee ausgestellt werden.

Das Transportboot stammt aus der Zeit um 1265 und wurde bereits vor einigen Jahren entdeckt. Vermutlich wurde das Wassergefährt zum Transport von Bewohnern eines Klosters und von Materialien benutzt.

Mit 55 Metern Tiefe gilt der Arendsee als einer der tiefsten natürlichen Seen in Norddeutschland.