Magdeburg (dpa) l Bei der Suche nach Facharztterminen greifen Patienten in Sachsen-Anhalt zunehmen auf die Hilfe der Kassenärztlichen Vereinigung zurück. Im vergangenen Jahr vermittelte die Servicestelle rund 5400 Termine, wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) auf Nachfrage mitteilte. 2016 waren es noch knapp 3900 Termine, 2017 schon rund 4600.

Dabei brauchten die Patienten vor allem Unterstützung bei der Suche nach psychotherapeutischer Hilfe. Bei den rund 5400 vermittelten Terminen entfielen 2018 knapp 1400 auf psychologische Psychotherapeuten und gut 1500 auf Neurologen, Psychiater und ärztliche Psychotherapeuten. Bei den Augenärzten als ebenfalls besonders gefragter Fachrichtung seien es rund 500 Termine gewesen.

Der am 23. Januar 2016 gestartete Terminservice der KV springt ein, wenn Patienten trotz intensiver Suche keinen dringend benötigten Termin bekommen. Insgesamt machten die vermittelten Termine aber einen sehr geringen Anteil an allen Behandlungen bei Fachärzten oder Psychotherapeuten aus. 2017 seien im Land insgesamt acht Millionen Behandlungsfälle erbracht worden – nur 0,06 Prozent davon vermittelte der Terminservice.

Eingriff in Terminhoheit der Praxen

Dennoch sieht die KV den gesetzlich vorgeschriebenen Service kritisch. Er werde zwar tatsächlich in Anspruch genommen. Es handele sich aber um einen Eingriff in die Terminhoheit der Praxen – auch wenn die Termine freiwillig zur Verfügung gestellt würden. Ärzte sähen den vorgegebenen Zeitraum von vier Wochen für einen Termin medizinisch oft als nicht begründet an. Die KV würde ein Überweisungssteuerungsmodell bevorzugen, wie es beispielsweise schon mit der AOK Sachsen-Anhalt oder IKK GesundPlus, der Barmer und der Techniker Krankenkasse vereinbart sei. Dabei organisiere der überweisende Hausarzt je nach Dringlichkeit binnen eines Tages oder einer Woche einen Facharzttermin.

Die Terminservicestelle hatte ihre Arbeit 2016 zunächst für diverse Fachrichtungen ohne Nervenärzte und Psychotherapeuten aufgenommen. Für Patienten, die eine entsprechende Überweisung zu einem Facharzt haben, sucht die Terminservicestelle einen Arzt, der sie in einem überschaubaren Zeitraum behandelt. Zuvor müssen allerdings die Patienten selbst ohne Erfolg gesucht habe.

Erfolgreich vermittelte, aber trotzdem nicht wahrgenommene Termine sind aus KV-Sicht ein großes Problem. Zwischen 10 und 13 Prozent der vermittelten Patienten erschienen nicht zum Termin. Dabei fänden erfahrungsgemäß Psychotherapietermine deutlich häufiger nicht statt, 12 bis 18 Prozent der Termine würden versäumt. Bei Facharzten seien es nur rund Prozent. Der Gesetzgeber habe es versäumt, sich diesem Problem zu widmen.

Neuer Gesetzentwurf von Jens Spahn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist schon einen Schritt weiter und hat einen neuen Gesetzentwurf für schnellere Arzttermine und bessere Versorgung von Kassenpatienten erarbeitet. Danach sollen die Terminservicestellen künftig rund um die Uhr unter 116117 erreichbar sein. Voraussichtlich im Frühjahr soll das Gesetz in Kraft treten. Von Ärzten gab es schon deutliche Kritik.

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt erwartet von der Ausweitung der zu vermittelnden Behandlungstermine keine bessere Versorgung der Bevölkerung. "Wenn nach aktuellem Entwurf sogar einige Vorsorgeuntersuchungen binnen vier Wochen vermittelt werden müssen, fällt es Praxen schwerer, zeitnahe Termine für wirklich ernsthaft erkrankte Patienten anzubieten", teilte die KV mit.