Halle (dpa) l Ein paar graue Haare hat sie. Sonst weist nichts auf ihr hohes Alter hin. Paula ist mit 50 Jahren das nach Angaben des Bergzoos in Halle älteste bekannte Faultier der Welt. Zu ihrer Geburtstagsfeier am Freitag darf es sich die Faultier-Dame so richtig gut gehen lassen: Streicheleinheiten von Tierpflegerin Petra Strecker und eine ganze Schüssel mit gekochten Mais. "Wenn sie den sieht, rennt sie regelrecht", erklärt die Tierpflegerin. Ansonsten harre die Seniorin den Großteil des Tages kopfüber am Ast aus. Nur beim Stuhlgang – alle acht bis zehn Tage – verlasse sie ihr Kletterparadies und erleichtere sich am Boden, berichtet Strecker.

Bereits seit 1971 lebe Paula in Halle, erzählt die Zookuratorin Jutta Heuer vor dem Gehege der Zweifingerfaultiere. Das Jungtier kam zu DDR-Zeiten im Alter von etwa zwei Jahren gemeinsam mit einer Artgenossin aus Südamerika in die Stadt an der Saale – und hörte die ersten 20 Jahre auf den Namen Paul statt Paula. Bis der Fehler auffiel. Das Geschlecht lasse sich bei den Faultieren nämlich nur schwer bestimmen, betont die Zookuratorin.

Kein Faultier-Sex mehr für Paula

Anfang der 1990er Jahre wurde der Fauxpas bei einem Ultraschall aufgedeckt, erzählt Jutta Heuer. Der Zoo habe daraufhin schnell ein Männchen ins Haus geholt. Viele Jahre habe Paula glücklich mit ihrem Paolo zusammengelebt. Mehrmals wurde sie trächtig, doch keines der Jungtiere überlebte.

Einen Tag vor ihrem 50. Geburtstag gab es dann eine kleine Sensation: Mitbewohner Toni sei Paula näher gekommen, berichtet Tierpflegerin Strecker. Der Faultier-Sex werde aber keine Folgen haben. Denn die Seniorin sei längst sterilisiert und ohnehin zu alt – in Menschenjahren etwa 90.

Derzeit seien europaweit rund 280 Zweifingerfaultiere registriert, berichtet Jutta Heuer, die das entsprechende Zuchtbuch führe. Vom Aussterben seien die Tiere nicht bedroht. Jedoch sei ihr natürlicher Lebensraum – der Regenwald in Südamerika – gefährdet.

Robustes Fell mit Algen

Natürliche Feinde könnten den gemütlichen Tieren kaum etwas anhaben, betont die Kuratorin. Aus der Luft bedrohten sie zwar Greifvögel. Aber das Fell der Zweifingerfaultiere sei wegen der hohen Luftfeuchtigkeit des Regenwaldes mit Algen bedeckt und somit gut getarnt. Allerdings drohten am Boden – wenn die Faultiere sich erleichtern – Fressfeinde, wie etwa der Ozelot.

Seit 30 Jahren kennt Petra Strecker nun schon Paula. In all den Jahren habe sie die Faultierdame als "ruhig und ausgeglichen" erlebt, erzählt sie. Paulas scharfe Eckzähne oder Krallen seien niemals einem Pfleger oder einer Pflegerin gefährlich geworden. Zum Geburtstag bekommt sie daher eine extra Kuscheleinheit.