Gardelegen (dpa) l Der Bau des Besucher- und Dokumentationszentrums in der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe leidet unter der guten Auftragslage der Baubranche. "Der Rohbau steht mit Dach und Fenstern. Jetzt beginnt der Trockenbau", sagte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, Kai Langer, der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. Aber: "Wir haben Probleme aufgrund der aktuellen Baukonjunktur." Auf Ausschreibungen hätten sich zum Teil nur eine oder auch gar keine Firma gemeldet. Auch wegen der Hitze des vergangenen Sommers hätten sich Betonarbeiten verzögert.

Die bisherige Freiluftgedenkstätte erinnert an ein von den Nationalsozialisten begangenes Massaker. Mehr als 1000 KZ-Häftlinge wurden in der Nähe des Gutes Isenschnibbe in eine Scheune gesperrt, die am Abend des 13. April 1945 angezündet wurde. Zudem wurden Häftlinge erschossen.

Es gebe noch keinen genauen Termin für die Eröffnung des Besucherzentrums in der bisherigen Freiluftgedenkstätte. Langer wünscht sich auf jeden Fall einen historischen Bezug für das Datum, etwa 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges. Ziel sei, das Haus im vierten Quartal 2019 für Besucher zu öffnen. 2018 kamen den Zahlen der Gedenkstättenstiftung zufolge rund 6700 Besucher.

Estricharbeiten oder Tiefenbohrungen seien schwierig zu vergeben gewesen, weil sich kaum Firmen für die Aufträge fänden, sagte Langer. Um den finanziellen Rahmen einzuhalten, sei zum Teil mehrfach ausgeschrieben worden. Dennoch gebe es Kostensteigerungen, die sich voraussichtlich im niedrigen sechsstelligen Bereich bewegten.

Das Besucherzentrum ist ein Betonriegel an der ehemaligen Todesmarsch-Route. Von drinnen werden die Gäste zur einen Seite das Gräberfeld sehen und zur anderen die Scheune, in der die Menschen bei dem Massaker zu Tode kamen. Die Gedenkstätte soll über das Geschehen in der Feldscheune hinaus das Thema Todesmärsche beleuchten. Mit nahendem Kriegsende hatten die Nazis 1945 viele Konzentrationslager aufgelöst und die Häftlinge auf Todesmärsche geschickt – durch die Dörfer an der Bevölkerung vorbei.

Langer sagte, das Grundkonzept der Ausstellung stehe. Am genauen Text werde noch gearbeitet. Auf jeden Fall werde es einen Raum im Raum geben, in dem Aufnahmen der Alliierten aus Gardelegen gezeigt würden. Zudem werde mit dem Mittel der sogenannten Graphic Novel gearbeitet: Außer den Aufnahmen der Alliierten gebe es keine Fotos – gezeichnete Bilder sollten der Visualisierung des Geschehenen dienen.