Urlaub

„Campinghaus“ hinterm Drahtesel

Marco Düsterhöft hat sich während der Corona-Zeit einen Traum erfüllt. Der Magdeburger baute einen Fahrradcamper mit allem Drum und Dran und noch ein bisschen mehr.

Von Bernd Kaufholz 28.06.2021, 05:00
Testfahrt entlang auf den Elbwiesen. Marco Düsterhöft ist zufrieden mit seinem Campinganhänger fürs Elektrofahrrad. Im August geht es nach Zeitz zum Erfahrungsaustausch der Fahrradcamper.
Testfahrt entlang auf den Elbwiesen. Marco Düsterhöft ist zufrieden mit seinem Campinganhänger fürs Elektrofahrrad. Im August geht es nach Zeitz zum Erfahrungsaustausch der Fahrradcamper. Foto: Düsterhöft

Magdeburg - Improvisieren und Basteln habe er noch zu DDR-Zeiten gelernt, schmunzelt Marco Düsterhöft. „Gelernt habe ich Elektromonteur und da hieß es, in diesem Beruf musst man alles können.“

Allerdings ist der Magdeburger vor 25 Jahren fremdgegangen und betreibt seitdem eine Werbeagentur und Filmproduktion. Die Stadtwerke und einige Einkaufscenter gehören zu den Kunden, für die er Werbe-Clips produzierte.

Doch das Experimentieren hat der 51-Jährigen nie in den Schrank gestellt. Und handwerkliches Geschick hat er genügend. „Meine Eltern hatten ein Haus im Stadtteil Westerhüsen. Dort bin ich aufgewachsen und es gab immer etwas zu tun. Da war Einfallsreichtum gefragt“, sagt er.

2017 wollte er eigentlich einen ehemaligen Polizei-Kleinbus zum Wohnmobil umbauen. „Freiheit und Abenteuer, abseits vom lauten Treiben auf Campingplätzen, hatte ich mir vorgestellt. Doch nachdem ich mich im Internet ein bisschen über die Möglichkeiten, in der Natur zu campen, informiert hatte, habe ich schnell gemerkt, dass das in Deutschland nicht so einfach ist. Man kann nicht überall stehen, wo es einem gefällt.“ Schnell seien Ordnungsamt oder Polizei zur Stelle, so seine Erfahrungen.

US-Hobbytüftlergab den Anstoß

„Als leidenschaftlicher Fahrradfahrer habe ich mir dann die Frage gestellt: Was kannst du mit dem Rad machen? So bin ich auf den amerikanischen Hobbytüftler Paul Elkins gekommen. Bei Youtube hat er gezeigt, wie man mit einfachen Mitteln einen Fahrradcamper bauen kann.“

Der Magdeburger fand die Idee „total cool“. Auch deshalb, weil es für Fahrradcamper bisher noch kein Verbot gibt in dem Mini-Wohnwagen in der Natur zu übernachten.

„Ich habe zig Baupläne im Web studierte und Modelle angefertigt, aber immer wieder verworfen, weil mir immer noch etwas fehlte. Unter anderem an der Zeit, mich voll in die Sache hineinzuknien.“

Doch dann sei der nächste Lockdown und damit auch der Wegfahrstopp gekommen. „Ich habe im Juli 2020 meine alten Ideen wieder hervorgekramt. Nachdem ich die theoretische Lösung für mein Vorhaben hatte, konnte mit dem Bau beginnen.“

Als erstes habe er zwei Schubkarrenrollen genommen, sie mit einer Gewindestange verbunden und zwei Alurohre daraufgesetzt. Schritt für Schritt habe sein Corona-Projekt Gestalt angenommen.

„Das Wichtigste war, alles so leicht wie möglich und doch stabil zu machen. Unter 40 Kilogramm, denn bis zu diesem Gewicht ist keine Bremse vorgeschrieben.“

Im Hartschaum Styrodur fand der Tüftler das geeignetste Material für die 1,7 Quadratmeter große Grundplatte, Dämmung und Seitenverkleidung. Für die Fenster des grünen Hängers griff er auf Acrylglas zurück.

„Von Anfang an war mir klar, dass ich Solarpaneele aufs Dach bringen will, um unterwegs unabhängig von Stromanschlüssen zu sein.“ Demnächst will er eine zweite leichte Lithiumbatterie in den Fahrradcamper einbauen. „Damit ich eine leere unterwegs sofort gegen die zweite geladene austauschen kann, während die erste wieder über die Sonne aufgeladen wird.“

Zur Zeit ist im Inneren des Hängers Platz für eine Person. Doch Düsterhöft plant bereits für die Zukunft. Dann soll durch ein ausklappbares Seitenteil Raum für einen zweiten Fahrradcamper geschaffen werden. Jedes Detail ist unter dem Aspekt Gewichtsreduzierung an Bord. So auch der zusammenbaubare Tisch aus Sperrholz, der Stuhl, in einer knirpsgroßen Rolle und die Mini-Küche mit Gaskocher.

Am Wochenende war Generalprobe. Die 30 Kilometer bis zum Vater in Leitzkau (Jerichower Land) hat der 51-Jährige mit seinem Gefährt mit Bravour gemeistert. Allerdings: „Die nur 60 Zentimeter große Liegefläche ist nachts gewöhnungsbedürftig. Außerdem muss man aufpassen, dass sich der Hänger beim schnellen Kurvenfahren nicht aufschaukelt.

„Im August steht die erste große Tour an“, sagt er. „Nach Zeitz. Dort treffen sich Fahrradcamper-Fans zum Erfahrungsaustausch.“

Klein – aber mein: Marco Düsterhöft in seinem Fahrradanhänger, Marke Eigenbau. Alles an Bord: zusammenbaubarer Tisch und Stuhl, kleine „Küche“ mit Gaskocher und eigene Stromversorgung.
Klein – aber mein: Marco Düsterhöft in seinem Fahrradanhänger, Marke Eigenbau. Alles an Bord: zusammenbaubarer Tisch und Stuhl, kleine „Küche“ mit Gaskocher und eigene Stromversorgung.
Foto: Düsterhöft