Volksstimme-Aktion

Was war ihr Corona-Projekt?

Tobias und Andrea Bock aus Magdeburg nutzen die Zeit des Stillstands dazu, ein altes Wohnmobil aufzubauen. Welches Corona-Projekt haben Sie verwirklicht?

Von Bernd Kaufholz
Andrea und Tobias Bock entkernen das VW-Wohnmobil. Durch einen Wasserschaden sind die Holzteile „wie Torf“. Die Bodenplatte von „Rosi“ wurde bereits entfernt.
Andrea und Tobias Bock entkernen das VW-Wohnmobil. Durch einen Wasserschaden sind die Holzteile „wie Torf“. Die Bodenplatte von „Rosi“ wurde bereits entfernt. Foto: Bernd Kaufholz

Magdeburg - Im alten Stall des Altenweddinger Bauernhofs wird geschraubt, geschweißt. rausgerissen und neu aufgebaut. Um was es sich seit einigen Monaten dreht, ist „Rosi“, ein VW-Wohnmobil, Baujahr 1981. Die 34 Jahre alte Andrea nennt die „Schrottlaube“, wie die rollende Unterkunft von einigen Bekannten ein wenig despektierlich genannt wird, ein „sehr persönliches Projekt während der Pandemie“, dem sie gern jedes Wochenende widmen. „Es geht uns darum, den Kopf frei zu bekommen“, sagt Tobias.

Alles begann vor dreieinhalb Monaten mit einer Ebay-Kleinanzeige, erinnert sich Andrea. „Ein Mann aus Flensburg hatte inseriert, dass er einen VW LT 35D mit Karmann-Aufbau abgeben möchte – aber nur in die richtigen Hände – aber am liebsten gar nicht.“

Sie hätten schon seit langem den Traum vom Wohnen, Leben und Arbeiten in einem Wohnmobil gehabt. Aber als Oldtimer-Fans sollte es ein Modell aus dieser Kategorie sein.

Tobias, der Handwerker, verrät noch einen Grund: „Wir sind Reisevögel und haben uns eine Weltreise vorgenommen. Also sollte unser fahrbarer Untersatz etwas sein, das nicht mit Elektronik bestückt ist, sodass wir ihn im Notfall unterwegs auch mal selbst soweit wieder hinkriegen, um es bis zur nächsten Werkstatt zu schaffen. Und dass im hintersten Timbuktu die Reparaturstationen nicht vor einer unlösbaren Aufgabe stehen.“

Bisher Reisen ohne Klo

Bis jetzt hat ihnen ein VW LT5, aufgerüstet mit Matratzen als Schlaffläche, als Reisemobil gedient – bis nach Italien. „Hat aber kein Klo“, schmunzelt Andrea. „Das ist mit ,Rosi’ etwas anderes.“

Morgens um 4 Uhr haben sich die Weltreisenden in spe ins Auto gesetzt und sind mit einem Hänger nach Flensburg gefahren. „Da gab es dann lange Diskussionen, bis wir den Besitzer überzeugt haben, dass wir die Richtigen für ,Rosi’ sind“, erzählt Tobias. Das Fahrzeug gebe er nur Leuten für die es Herzenssache ist und die das wassergeschädigte Mobil nicht gleich auf den Schrottplatz fahren.

Und warum „Rosi?“ Schulterzucken. „Das Wohnmobil hieß schon bei der Flensburger Familie so.“

Nach der ersten großen Inspektion in der Börde hat sich dann das gesamte Ausmaß des Zerfalls gezeigt, so das Paar. „Aber das haben wir ja schon geahnt. Das Wasser muss da nicht erst wochenlang sondern schon Jahre reingeregnet sein“, sagt Andrea.

„Innen hat es furchtbar ausgesehen“, fügt Tobias an, „Das Holz war nur noch Torf.“

Zurzeit sind die Bocks dabei, alles zu entrosten und die Bodenplatte des Sechszylinders herzurichten. „Wir machen fast alles selbst“, so Tobias. „Nur fürs Schweißen, für Motorarbeiten und die Elektrik holen wir uns Hilfe.“

Bis zum 31. März nächsten Jahres soll „Rosi“ ihre Verjüngungskur erhalten haben. „Der Termin steht felsenfest, denn wir wollen am 1. April 2022 auf die Piste“, sagt Andrea.

Wohin genau und wie lange stehe noch nicht genau fest. Doch Vorstellungen gebe es schon. Und da die Reiseagenturistin durch ihren Job ein internationales Netzwerk hat, dürfte es dem Paar nicht schwerfallen, von Kontinent zu Kontinent zu „hüpfen“.

Indien und die Mongolei, aber auch Mittel- und Südamerika stehen fest auf dem Reiseprogramm.

Tobias „Alles andere werden wir sehen, lassen es auf uns zukommen. Erstmal losfahren. Dort, wo es uns gefällt, stoppen wir und bleiben so lange, bis wir genug gesehen haben oder das Visum abgelaufen ist.“

Wer in der Pandemie auch ein altes Hobby aus der Schublade geholt oder ein neues Projekt gestartet hat, kann uns unter Leserpost@Volksstimme.de schreiben.