Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt

Wittenberg: "Escape Room"-Schau zu 500 Jahren Bibelübersetzung

"Tatort 1522" heißt es 2022 in Wittenberg. Was ist passiert vor 500 Jahren? Ausstellungsbesucher sollen es herausfinden - Auf eher ungewöhnliche Art.

03.01.2022, 06:37
Die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt feiert 2022 Martin Luthers Bibelübersetzung vor 500 Jahren.
Die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt feiert 2022 Martin Luthers Bibelübersetzung vor 500 Jahren. Foto: dpa/ZB/Peter Endig

Wittenberg/dpa - Die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt feiert 2022 Martin Luthers Bibelübersetzung vor 500 Jahren. Höhepunkt ist eine Ausstellung in Wittenberg unter dem Motto !Tatort 1522". Das Besondere: Die Schau (23. Juni 2022 bis 9. Juli 2023) wird als "Escape Room" gestaltet.

"Das wird ein spannendes Abenteuer für die Besucher", verspricht der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Stefan Rhein. Die Bibelübersetzung sei nicht nur ein religiöses, sondern auch ein sprachliches und mediales Großereignis gewesen. In "Escape Rooms" müssen Teams gemeinsam Aufgaben lösen, um von einer Station zur nächsten zu gelangen.

Luther habe die Bibel mit der Übersetzung jedem zugänglich gemacht. "Das war ein großer Akt von demokratischer Teilhabe, das ist das Aufregende", sagte Rhein. In der Wittenberger Ausstellung gehe es darum, sich das Thema als Team mit interaktiven Mitteln zu erarbeiten. "Das wird keine klassische Ausstellung, wo man sich Exponate anschaut und Texte dazu liest", sagte Rhein. Stattdessen komme es darauf an, gemeinsam des Rätsels Lösung zu finden, um wieder aus dem "Escape Room" herauszukommen.

Fünf Bereiche habe die Schau, in der sich Menschen in die Welt von Martin Luther (1483-1546) und seiner Weggefährten hinein versetzen, den Bogen zu heute schlagen können. An der Bibelübersetzung habe auch ein Team mitgearbeitet. Dazu gehörten in Wittenberg Philipp Melanchthon, Luthers Freund, und die Malerfamilie Cranach, die man heute als "Layouter" bezeichnen würde, sagte Rhein. Das Neue Testament übersetzte Luther einst auf der Wartburg bei Eisenach in Thüringen, wohin ihn sein Landesherr Friedrich der Weise nach dem Wormser Reichstag von 1521 in Sicherheit bringen ließ. Thüringen widmet der Bibelübersetzung ein Themenjahr unter dem Motto "Welt übersetzen".

Im März 1522 kam Luther nach Wittenberg zurück, bearbeitete das Manuskript nochmals und ließ im September die für damalige Zeit große Menge von 3000 Exemplaren der Bibel drucken, sagte Rhein. Bereits im Dezember habe es dabb die erste Neuauflage gegeben. Danach fing Luther den Angaben zufolge mit der Übersetzung des Alten Testaments aus dem Hebräischen an, mit einer Mannschaft, die Latein, Griechisch und Hebräisch beherrschte. "Wittenberg spielte dabei eine ganz zentrale Rolle", sagte der Stiftungsdirektor.

Um Luthers Anliegen heute experimentell für jede Altersgruppe verständlich zu machen, zeigt die Stiftung bereits die Sonderausstellung "Raus mit der Sprache!" in Eisleben (bis Oktober 2022). In der Kleinstadt wurde der Reformator 1483 geboren - und dort starb er 1546 auch. Daran erinnern in Eisleben Museen, die ebenso wie die Luthergedenkstätten in Wittenberg zum Unesco-Welterbe gehören.