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Wohnmobil-Boom in Sachsen-Anhalt: Engpässe auf Campingplätzen im Sommer

Urlaub im Wohnmobil liegt im Trend, auch bei den Menschen in Sachsen-Anhalt. So haben sich seit der Corona-Pandemie hierzulande immer mehr Menschen ein Wohnmobil gekauft. Auch die Nachfrage beim Verleih hat sich erhöht. Auf den Campingplätzen macht sich dieser Boom bemerkbar. Laut dem ADAC gibt es im Sommer nur noch wenige Standplätze.

Von Stephanie Tantius Aktualisiert: 11.05.2022, 13:53 • 11.05.2022, 13:52
Urlaub im Wohnmobil liegt im Trend, auch bei den Menschen in Sachsen-Anhalt. So haben sich seit der Corona-Pandemie hierzulande immer mehr Menschen ein Wohnmobil gekauft, besagt eine Analyse des Teams von Goldenstein Rechtsanwälte.
Urlaub im Wohnmobil liegt im Trend, auch bei den Menschen in Sachsen-Anhalt. So haben sich seit der Corona-Pandemie hierzulande immer mehr Menschen ein Wohnmobil gekauft, besagt eine Analyse des Teams von Goldenstein Rechtsanwälte. Foto: dpa/ Frank Molter

Magdeburg - Seit Beginn der Corona-Pandemie gibt es in Sachsen-Anhalt einen regelrechten Wohnmobil-Boom. Während die Pkw-Zulassungen zwischen 2020 und 2022 in etwa stagnierten, stieg die Anzahl an zugelassenen Wohnmobilen im selben Zeitraum in Sachsen-Anhalt um fast 40 Prozent an.

Während es 2020 noch 7.678 Wohnmobile in Sachsen-Anhalt gab, liegt dieser Wert mittlerweile bei 10.736. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Teams von Goldenstein Rechtsanwälte. Die Kanzlei vertritt die mehr als 1200 Wohnmobil-Besitzer im Abgasskandal.

Im Harz gibt es die meisten Wohnmobile

Mit 1347 Wohnmobilen ist der Harz die Region in Sachsen-Anhalt, inder 2022 die meisten Wohnmobile zugelassen sind, dicht gefolgt von der Börde mit 1072 Campern. In Magdeburg wurden 930 der Fahrzeuge gezählt, die Stadt Dessau Rosslau hat mit 413 Campern die wenigsten in Sachsen-Anhalt im Jahr 2022.

Wird jedoch die Anzahl der Wohnmobil-Zulassungen mit der Anzahl der Pkw-Zulassungen ins Verhältnis gesetzt, so hat der Altmarkkreis Salzwedel die höchste Rate an Wohnmobilen. Hier kommen auf 1000 Pkw 12,33 Wohnmobile. Der Harz hat die zweithöchste Rate. Auf 1000 Autos kommen 10,86 Wohnmobile, in Wittenberg 10,24 und in der Börde, laut der Analyse, kommen auf 1000 Pkw 10,02 Caravans (viert höchste Rate).

Trotz Wohnmobilboom: Sachsen-Anhalt hat die wenigsten Camper

Trotz dieses aktuellen Wohnmobil-Booms hat Sachsen-Anhalt gemessen an den vorhandenen Pkw, den niedrigsten Wert an Wohnmobilen deutschlandweit. So kommen in Sachsen-Anhalt 8,78 Wohnmobile auf 1000 Pkw-Zulassungen. Schleswig-Holstein hat deutschlandweit die höchste Wohnmobil-Dichte. Auf 1000 Autos kommen 28,56 Wohnmobile.

Dennoch scheint es seit Beginn der Corona-Pandemie in den neuen Bundesländern einen regelrechten Wohnmobil-Boom zu geben. So ist der Wohnmobil-Bestand in Thüringen zwischen 2020 und 2022 um 42,99 Prozent angestiegen. In keinem anderen Bundesland gab es in den vergangenen zwei Jahren ein derart hohes Wachstum der Wohnmobil-Zulassungen.

Seit der Corona-Pandemie liegt der Urlaub im Wohnmobil voll im Trend.
Seit der Corona-Pandemie liegt der Urlaub im Wohnmobil voll im Trend.
Foto: dpa/ Urs Flueeler

Aber auch in Sachsen (41,82 Prozent), Sachsen-Anhalt (39,83 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (38,38 Prozent) und Brandenburg (37,23 Prozent) sind die Wohnmobil-Zulassungen seit Januar 2020 kräftig angestiegen. Im Durchschnitt stiegen die Wohnmobil-Zulassungen in den vergangenen zwei Jahren in allen 16 Bundesländern um 30,14 Prozent an, so die Zahlen der Analyse der Goldenstein Rechtsanwälte.

Nils Leidloff, Pressesprecher der Goldenstein Rechtsanwälte sagte auf Nachfrage: "Die Coronakrise hat dazu geführt, dass die Menschen ihren Urlaub hauptsächlich in Deutschland verbracht haben." Das könnte erklären, warum sich die Menschen in Sachen-Anhalt, Thüringen oder Sachsen nun vermehrt ein Wohnmobil zugelegt haben. Woran es liegt, dass viele Menschen in Schleswig-Holstein im Vergleich zu den Bewohnern in Sachsen-Anhalt ein Wohnmobil haben, wisse er nicht.

Nachfrage bei Vermietungen von Wohnmobilen ebenfalls gestiegen

Auch die Nachfrage bei Reisemobil- und Caravanvermietungen habe sich seit der Coronakrise erhöht, berichtet ein Mitarbeiter der Cactus Reisemobile in Magdeburg. Trotzdem hätten sie ihren Bestand bisher nicht aufgestockt, denn man wisse nicht, was nach der Pandemie sei. Sie hätten auch vor der Corona-Krise eine hohe Nachfrage nach Wohnmobilen gehabt, aber in den vergangenen zwei Jahren sei sie noch einmal enorm angestiegen. Zwei bis drei Absagen müsse er täglich schreiben.

Für das kommende Jahr sowie für das Jahr 2024 habe er ebenfalls schon Anfragen. Die Leute würden aus ganz Deutschland bei ihnen mieten, selbst aus München. Eine Familie aus Bayern wolle Urlaub in Skandinavien machen und da liegt Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt auf dem Weg. "Außerdem sind die Wohnmobile in Magdeburg günstiger als in München", so der Mitarbeiter.

Cactus Reisemobile: Zu Pfingsten das erste Mal ausgebucht

Der erste Zeitraum in diesem Jahr, indem das Unternehmen Cactus Reisemobile ausgebucht ist, sei zu Pfingsten. Da fange die Saison an. Über das Jahr verteilt hätten sie dann nur noch ein paar Lücken im Kalender frei.

Es komme auch immer darauf an, was für einen Typ Wohnwagen die Menschen wollen. Sie hätten sieben verschiedene Typen. Von dem einen Modell hätten sie jedoch zehn verschiedene und von einem anderen nur ein einziges. Das eine sei lediglich für zwei Personen ausgerichtet. Wenn nun viele diese kleine Wohnmobil in einem bestimmten Zeitraum haben wollen, könne er es trotzdem nur einmal vermieten.

Trotz gestiegener Nachfrage steigt der Umsatz nicht

Auch Julia Müller vom Reisemobil-Portal bestätigt der Volksstimme, dass die Nachfrage nach der Vermietung von Wohnmobilen generell seit der Coronapandemie gestiegen sei. Jedoch überwiegend in der Hauptsaison wie in den Sommerferien und das bundesweit.

Allerdings bringe diese erhöhte Nachfrage den Vermietern nicht mehr Umsatz, so Julia Müller. Denn wenn der Vermieter zum Beispiel zehn Fahrzeuge an einem Standort hat, ist es egal, ob in der Hauptsaison 100 oder 1000 Personen anfragen, da ein Fahrzeug nur einmal zu einem Zeitpunkt vermietet werden kann, erklärt sie.

Der Umsatz steigt daher nur bedingt, und der Vermieter habe wesentlich mehr Arbeit, da mehr Anfragen bearbeitet werden müssen, so Julia Müller

ADAC: Kroatien und Italien Lieblingsziel der deutschen Camper

Dass Campingurlaub seit der Corona-Pandemie immer beliebter wird, bestätigt auch der ADAC. Alexandra Kruse, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit und Marketing für den ADAC Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sagte der Volksstimme: "Die Nachfrage nach einem Urlaub im Wohnmobil ist auf jeden Fall gestiegen."

Laut einer Auswertung des Buchungsportals pincamp, über welches Urlauber Campingplätze buchen können, planen und buchen die deutschen Camper ihren Urlaub nun jedoch wieder deutlich stärker im Voraus.

Viele Campingplätze sind für den Juli und August schon ausgebucht.
Viele Campingplätze sind für den Juli und August schon ausgebucht.
Foto: Felix Kästle

Insgesamt wurden im 1. Quartal 2022 dreimal so viele Buchungen für Campingplätze erfasst wie im Vorjahreszeitraum. Besonders stark zeigt sich die Nachfrage für Reiseziele im Süden Europas. War Deutschland im Vorjahr noch das Lieblingsziel, so belegen zu Jahresbeginn 2022 Kroatien und Italien vor Deutschland die Plätze 1 und 2.

Engpässe auf Campingplätzen im Sommer

Die beliebtesten Campingregionen liegen an der Adria: Istrien (Kroatien) und Venetien (Italien). In Deutschland sind besonders Campingziele in Niedersachsen, Bayern, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gefragt. Auf Platz vier der beliebtesten Campingregionen ist laut der ADAC-Analyse Frankreich und auf Platz 5 Spanien.

Wer jetzt noch einen Caravan für den Sommerurlaub mieten möchte, habe wahrscheinlich schlechte Karten, so Alexandra Kruse vom ADAC. Und nicht nur das, betont sie. Auch die Campingplätze in Deutschland, aber auch im Süden Europas seien für die Monate Juli und August schon gut belegt.

Wer in den Sommermonaten verreisen möchte, solle jetzt noch nach Restplätzen schauen. Es gebe immer beliebte Regionen in Deutschland und im Ausland, insbesondere am Meer. Wer jedoch sich Orte sucht, die nicht so begehrt sind, könne noch nach einem Campingplatz fündig werden.

Sie rate dazu nicht einfach loszufahren, sondern einen Urlaub mit Wohnmobil zu planen, so Alexandra Kruse vom ADAC. Und wem es möglich ist, der solle lieber in der Nebensaison mit dem Caravan losfahren.