Magdeburg l Christian Sievers ist neben Claus Kleber der zweite Moderator beim ZDF-Flagschiff „heute journal“. Beim Tresentalk von Volksstimme und „Xampanyeria“ sprach er in Magdeburg über Journalismus in Zeiten von Fake-News, das Phänomen Donald Trump und Wege aus dem Israel-Konflikt.

Der Moderator Christian Sievers gilt als meist gut gelaunt, nahbar und weniger pathetisch als der Grandseigneur des ZDF-Flagschiffs, Claus Kleber. Und tatsächlich springt der Funke zum Publikum auch in der ausverkauften Veranstaltungsbar „Xampanyeria“ am Dienstagabend in der Magdeburger Altstadt rasch über.

Sievers wirkt am Kneipentisch authentisch

Wie im ZDF-Studio in Mainz wirkt Sievers auch am Kneipentisch in kleiner Runde authentisch. Man ahnt, das könnte eines der Geheimnisse für den Aufstieg des Mannes vom Popradio-Moderator zum zweiten Mann in Deutschlands führendem TV-Nachrichtenjournal sein. Den Plan, Moderator im ZDF zu werden, habe er nie gehabt, sagt der 50-jährige. „Ich glaube auch nicht, dass das funktionieren würde.“ Vielmehr sei er bis heute im Herzen Reporter, sagt Sievers. „Rausgehen und schauen, was ist, ist doch die vornehmste Aufgabe des Journalisten.“ Alles andere, darunter die Moderation, sei dafür da, die Reporterleistung mit einem angemessenen Rahmen zu würdigen. Man darf ihm das glauben, Sievers weiß, wovon er spricht.

Der Wahl-Frankfurter kennt beide Seiten. Für das ZDF berichtete er als Korrespondent etwa vom Terroranschlag in New York am 11. September 2001, ebenso wie aus den Krisenherden im Nahen Osten oder von der Tsunami-Katastrophe 2006 in Südostasien. Der Moderator erzählt davon, wie wichtig es ist, etwa in Kriegsgebieten Dinge mit eigenen Augen zu sehen. „Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst“, sagt er. Quellen hätten stets ihre eigenen Interessen.

Seine Arbeit im Ausland hat Sievers zum Kosmopoliten werden lassen. Vorurteile und eine eurozentristische Sicht lässt er nicht gelten – ihm geht es ums Verstehen. Auf die Frage von Moderator und Volksstimme-Chefredakteur Alois Kösters, ob im Israel-Konflikt eine Lösung noch realistisch sei, sagt er: Vom Gerede über die Spirale der Gewalt halte er wenig. „Das sind keine blutrünstigen Wahnsinnigen, die dort leben.“ Die Menschen wollten nur Sicherheit für sich und ihrer Kinder. „Für jede Eskalation gibt es Gründe. Aufgabe von gutem Journalismus ist es, diese zu ergründen und zu belegen.“

Sievers spricht über Trump-Wähler

Von Vorverurteilung ist Sievers auch mit Blick auf die Wähler von US-Präsident Donald Trump weit entfernt. Sind sie alle verblendet, falsch informiert? Der Moderator erzählt von Trump-Wählerinnen, die er in den USA getroffen habe: „Sie wissen, dass Trump moralisch kein guter Mann ist und schon gar kein guter Ehemann wäre“, sagt er.

Aber die Frauen hätten eben auch gewusst, dass Trump Geschäftsmann ist und Schwung in die Politik bringen würde. Wenn man dann noch um die Ängste vieler Leute vor dem Abstieg weiß, erkenne man: „Denen ist im Zweifel egal, ob Trump lügt“, sagt der Moderator.

Auch, wenn es keiner direkt sagt, von aktuellen Stimmungen in Deutschland ist die Diskussion an dieser Stelle nicht weit entfernt. Verwerflich sei, dass selbst ein Teil führender Medien wie Fox-News präsidententreu berichte und Trump sogar Tipps zu seinem Verhalten gebe – in Deutschland bislang so undenkbar.

Womit die Runde beim Umgang von TV-Redaktionen mit Nachrichten und Worten wäre. Volksstimme-Chefredakteur Kösters will wissen, ob die heute-Redaktion bei Begrifflichkeiten bewusst nach Weltregionen unterscheide. Er habe den Eindruck, dass bei Berichten aus Amerika häufiger von illegalen Migranten die Rede sei, während in Europa positiver von Flüchtlingen gesprochen werde. Sievers weist das zurück. „Wir legen für die Begriffsfindung keine Weltkarte an“, sagt er. Natürlich werde aber darüber gesprochen, welche Nachricht, wie transportiert wird. Das beinhalte auch einen bewussten Umgang mit Worten. „Das Wort Asylant zum Beispiel geht gar nicht, es ist eindeutig negativ konnotiert“, sagt Sievers.

Gespräch nicht stock-ernst

Bei aller Seriosität, stock-ernst ist das Gespräch zu keinem Zeitpunkt. Auch Politikern rät Sievers dann einfach mal frei von der Leber zu reden. „Die Leute merken so was und honorieren das“, sagt er - vielleicht meint er da auch ein wenig sich selbst. Als ihm ein Künstler am Ende eine Büste aus Lehm mit seinem Porträt präsentiert, sagt der Moderator: „Das ist doch Claus Kleber.“ Die Zuhörer lachen. Sievert verspricht, wenn er die Büste per Post zugeschickt bekommt, will er versuchen, auch Kollege Kleber zum Talk nach Magdeburg zu locken.