Halberstadt/Magdeburg l Gegen Wachleute der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (Zast) in Halberstadt wird wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung ermittelt. Wie in Sachsen-Anhalts Innenministerium am Freitagmorgen, 9. August, bekannt wurde, sind auf Youtube Videos veröffentlicht worden, welche einen Übergriff laut Video-Angabe im April 2019 durch Zast-Mitarbeiter auf einen der Bewohner in Halberstadt zeigen. 

Die Angreifer, welche den Flüchtling augenscheinlich grundlos treten und schubsen, sind Wachleute einer privaten Sicherheitsfirma in der Zast. Erst am Freitag sei das Innenministerium über den Vorfall informiert und der Übergriff bekannt geworden. Laut Innenministerium hat die Polizei kurze Zeit später eine Ermittlungsgruppe gegründet. Es werde gegen vier Wachleute, die aktiv an der Szene beteiligt waren und gegen vier weitere Männer wegen des Verdachts der Beihilfe ermittelt. Innenminister Holger Stahlknecht sagte zudem, dass er das Verhalten scharf verurteile.

Das erste Video zeigt zwei Flüchtlinge auf dem Gelände, während sich von vorn vier Wachleute in schwarzer Uniform schnell nähern. Einer von ihnen rennt auf die beiden Männer zu und tritt diesen. Nachdem der zweite Flüchtling sich offensichtlich dazwischen stellen will, wird er von einem weiteren Sicherheitsmann gepackt und grob auf den Boden geworfen. Der ursprünglich Angegriffene wird - ebenfalls auf dem Boden liegend - von einem Sicherheitsmann mit dunklen Haaren und Zopf getreten und geschlagen, während die anderen drei Wachleute ohne einzugreifen das Geschehen beobachten. Die Aktion und das Video enden damit, dass der angreifende Wachmann einen Schlag gegen den Kopf andeutet und kurz vor dem Opfer abbremst.

Videos

Das zweite Video zeigt, offenbar das weitere Geschehen. Dort wird der betroffene Flüchtling von nun acht Wachleuten begleitet, mehrmals über die Wiese geschubst wird. Einer der Sicherheitsmänner schubst den Mann von hinten so stark, dass dieser zu Fall gebracht wird. Auch hier greifen die anderen Wachleute nicht ein, sondern einer der Männer schubst den Flüchtling erneut, nachdem sich dieser wieder aufgerappelt hatte.

Neben den Videos habe es laut Innenministerium zudem einen Zeugenhinweis gegeben, dass der gefilmte Übergriff kein Einzelfall sei. Eine Bamf-Mitarbeiterin hatte per E-Mail fast zeitgleich mit Bekanntwerden des Videos die Misshandlungen von Flüchtlingen in Halberstadt gemeldet.

Wer die Videos im April 2019 unter dem Namen "halberstadt camp" veröffentlicht hat, ist nicht bekannt. Auch mögliche Hintergründe oder Vorfälle, die den gefilmten Übergriffen vorausgegangen sind, waren am Freitagmittag noch unbekannt. Offenbar wurden die Aufnahmen aus einer angrenzenden Unterkunft gemacht.