Magdeburg l In der Debatte um die von einem Gutachten festgestellten schweren Mängel in Teilen der Magdeburger Uniklinik verschärfen sich die Spannungen zwischen Klinikvorstand und Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD). In einer aktuellen Mitteilung widerspricht die Klinikleitung offen Darstellungen des Ministeriums und greift damit auch Willingmann an, der zugleich Aufsichtsratschef des Klinikums ist.

In der mit „Richtigstellung: Detaillierte Bauplanung liegt vor“ überschriebenen Erklärung zeigt sich Ärzte-Chef Hans-Jochen Heinze verwundert über die Forderung des Ministers nach einem belastbaren Baukonzept für notwendige Sanierungen in der Klinik. Ein solches Konzept habe bereits im März 2018 vorgelegen. Schon damals hätte daher mit den dringlichsten Baumaßnahmen begonnen werden können, sagte Heinze. „Die Aussage, dass man erst auf eine neue Medizinstrategie habe warten wollen, ist nicht überzeugend.“

Tatsächlich hat die Klinik einen knapp 200 Seiten starken „Masterplan Bau“ mit einer detaillierten Listung der vordringlichsten Baumaßnahmen im März 2018 vorgelegt. Zuletzt war der Plan am 15. Mai 2019 mit einem 91-seitigen Papier noch einmal neu gewichtet worden. Beide Dokumente liegen der Volksstimme vor.

Ministeriumssprecher Matthias Stoffregen bekräftigte dagegen am Dienstag: „Ein durch den Aufsichtsrat beschlossener ‚Masterplan Bau‘ liegt bislang nicht vor.“ Die Zustimmung des Gremiums sei aber zwingend, um Bauprojekte beginnen zu können. Der Sprecher verwies auf eine Entscheidung des Aufsichtsrats vom 22. März 2018. Dabei hatte das Gremium den Masterplan des Klinikvorstands nicht bestätigt – auch weil größere Flächenzuwächse nicht begründet worden seien. Einen neuen Entwurf habe die Klinik seither nicht vorgelegt, auch um dem neuen Ärzte-Chef Hans-Jochen Heinze eine neue Priorisierung zu ermöglichen. Zwar habe der Vorstand am 15. Mai ein neu gewichtetes Zusatzpapier abgegeben. Auch dort fehlten aber Bauprojekte, die Heinze vor Amtsantritt vorgestellt hatte, etwa in der „Präzisionsmedizin“.

Es ist nicht der einzige Punkt, der die Beziehung zwischen Willingmann und der Klinik belastet. Für Ärger in der Ärzteschaft sorgt auch, dass das Ministerium unter Berufung auf zwei Ärzte dementieren ließ, dass Willingmann bereits Anfang 2018 über hygienische und bauliche Missstände informiert war. Das Kabinett machte am Dienstag derweil den Weg für einen Kredit frei, der den Neubau der Klinikküche ermöglichen soll. Zudem sollen Planungsmittel für die Sanierung von Kinderklinik und Zentralapotheke bereitgestellt werden. Wegen des Zustands beider Bereiche hatte ein Gutachten zuvor „höchste Patientengefährdung“ konstatiert.