Halle (dpa) l Der Vandalismus an Silvester nimmt in Sachsen-Anhalt zu. Unternehmen wie die Deutsche Post und Nahverkehrsbetriebe wappnen sich daher vor möglichen Gefahren, wie Firmensprecher mitteilten. Sie montieren Briefkästen ab oder stellen Fahrkartenautomaten aus. Doch Böller werden das ganze Jahr über gezündet, wie das Landeskriminalamt (LKA) mitteilte. Spezielle Entschärfer mussten deswegen allein 2018 Hunderte Male ausrücken.

"Leider haben sowohl die Zahl der Vandalismusfälle als auch der Grad der jeweiligen Beschädigungen von Briefkästen in der Silvesterzeit in den letzten Jahren zugenommen", sagte ein Sprecher der Deutschen Post DHL Group in Berlin. Meist könnten die beschädigten Briefkästen nicht repariert werden. Der Deutschen Post würden daher erhebliche Kosten für neue Kästen entstehen. Diese reichten teilweise bis zu mehreren Hundert Euro pro Briefkasten, sagte der Sprecher.

Die Deutsche Post will daher an einigen Standorten zur Silvesterzeit sogenannte Einwurfsperren anbringen. "Damit werden vor dem Jahreswechsel die Einwurfschlitze des Briefkastens verschlossen, um den Einwurf von Feuerwerkskörpern zu verhindern", sagte der Sprecher weiter. In einigen Fällen würden die Briefkästen vorsichtshalber im Vorfeld komplett abmontiert. Am 2. Januar sollen die Sperren entfernt und die Briefkästen wieder aufgestellt werden. Welche Briefkästen genau betroffen sind, teilte das Unternehmen nicht, um möglichen Tätern keine Hinweise zu geben.

Zugang zu illegalen Böllern

Kunden, die zwischen den Jahren Briefe oder Postkarten abschicken wollen, könnten sie in den Postfilialen oder den Partnerstandorten abgeben.

Auch bei den Verkehrsbetrieben gibt es Sorgen um das bevorstehende Silvester. "2017 und 2016 hatten wir in der Silvesternacht Vandalismusfälle an unseren Haltestellen", sagte der Sprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe, Tim Stein. Damals wurden Scheiben eingeschlagen und Graffitis gesprüht. Die Schaden beliefen sich auf mehrere Zehntausend Euro.

Bei der Halleschen Verkehrs-AG (Havag) waren die Schäden in den vergangenen Jahren gering. Dennoch wird die Havag vom 29. Dezember 2018 bis zum 2. Januar 2019 die meisten Fahrkartenautomaten außer Betrieb nehmen. Tickets könnten sich Kunden online oder im Ticket-Shop kaufen. Auch in Magdeburg sollen die Automaten abgeschaltet und verschlossen werden, sagte Stein.

Doch nicht nur die Tage um Neujahr sind ein Problem. "Auf privaten Feiern, bei Demonstrationen, Fußballspielen und Versammlungen wird genebelt, geleuchtet und geknallt – so viel wie nie zuvor", sagte LKA-Sprecher Andreas von Koß in Magdeburg. Das liege vor allem am sehr einfachen Zugang zu illegalen Böllern.

500 Kilogramm Pyrotechnik sichergestellt

Offiziell könnten Böller erst zwei Tage vor Silvester in Deutschland gekauft werden, hieß es. Doch Pyrotechnik würde zunehmend über das Internet geholt – meist rechtswidrig und ungekennzeichnet, erklärte von Koß. Auch auf den Wochenmärkten in Polen und Tschechien könnten sich die Sachsen-Anhalter ganzjährig mit Böllern eindecken.

Entdeckt das LKA illegale Böller, werden diese sichergestellt. Allein in diesem Jahr rechnet das LKA mit rund 500 Kilogramm sichergestellter Pyrotechnik. Speziell ausgebildete Entschärfer mussten zudem zu etlichen Pyrotechnik-Einsätzen ausrücken. Dabei fanden sie unter anderem 40 gesprengte Zigarettenautomaten, 14 beschädigte Fahrkartenautomaten, 8 kaputte Briefkasten und 3 zerstörte Telefonzellen. Insgesamt gab es mehr als 550 Einsätze für die Experten – davon war bei rund 340 Pyrotechnik im Spiel.