Magdeburg l Für Hund, Katze, Kuh oder Schwein fehlen in Sachen-Anhalt die Tierärzte.  "Wir haben noch keinen absoluten Mangel, aber einen relativen", sagte der Präsident der in Halle ansässigen Landestierärztekammer, Klaus Kutschmann, der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe vor allem zu wenige Nutztierpraktiker. Darauf spezialisierten sich vor allem Männer. "Das ist eine körperlich schwere Arbeit, für die man leider immer weniger junge Tierärzte begeistern kann", sagte er. "Einen Kuhbestand mit 400 Tieren zu betreuen ist etwas anderes, als einen Katzenschnupfen zu behandeln." Auch sei der Job mit viel Herumfahrerei verbunden. 

Kutschmann zufolge gibt es derzeit 329 niedergelassene Tierärzte in Sachsen-Anhalt. 132 Veterinäre seien reine Kleintier- und 30 reine Nutztierpraktiker. "Gerade im Nutztierbereich erleben wir auch eine Überalterung. Viele der Kollegen stehen kurz vor dem Rentenalter", sagte der Veterinär. Knapp 100 niedergelassene Tierärzte im Land seien 60 Jahre und älter. 

Wie auch in der Humanmedizin sei der Mangel an Tierärzten in ländlichen Gebieten wie der Altmark oder der Südharz-Region besonders spürbar. "Da gibt es um Umkreis von 30 oder mehr Kilometern oft keine einzige Tierarztpraxis", sagte Kutschmann. Oft sei es problematisch, einen flächendeckenden, tierärztlichen Notdienst für alle Tierarten auf die Beine zu stellen. "Aber das ist kein reines Land-Problem, das ist ein grundsätzliches."

Die Bereitschaft für Not-, Nacht- und Wochenenddienste gehe zugunsten der Lebensqualität deutlich zurück, sagte Kutschmann. Aber: "Wer sich für einen Heilberuf entscheidet, muss sich dessen bewusst sein, dass er auch außerhalb regulärer Sprechzeiten Dienst verrichten muss."

In Sachsen-Anhalt gebe es aktuell auch keine Tierklinik, die einen Notdienst rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr anbietet. "Magdeburg musste das ganz aufgeben und die Einrichtung in Wittenberg lässt den Klinikstatus aktuell ruhen", sagte Kutschmann. "Das hat vor allem mit den rechtsverbindlichen Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes zu tun." Für Herrchen und Frauchen bedeutet das, im Notfall mit dem kranken Tier in ein anderes Bundesland zu fahren, etwa in die Tierklinik Leipzig.