Magdeburg l Seit Mittwoch werden an der Magdeburger Uniklinik keine Hände mehr geschüttelt. Ein Isolierzimmer ist eingerichtet, um notfalls Akuterkrankte behandeln zu können. „Mit der Ausbreitung in Italien ist eine neue Phase eingetreten“, sagt Professor Achim Kaasch, Chef des Instituts für Mikrobiologie. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann der erste Corona-Kranke in Sachsen-Anhalt registriert wird. „Angesichts der Reisetätigkeit muss man sagen: Realistisch betrachtet, ist das Virus schon da, wir haben es nur noch nicht entdeckt.“ Kaasch spicht wegen der raschen Ausbreitung von einer „Naturkatastrophe“.

Wie groß ist das Risiko?
Bei allem, was man aus China und Italien weiß, ergibt sich folgendes Bild: 80 Prozent der Fälle verlaufen mild, 20 Prozent der Betroffenen müssen in die Klinik. Bis zur Genesung dauert es zwei bis drei Wochen. Allein diese Zahlen machen deutlich, dass bei einer Krankheitswelle die Kapazitäten schnell erschöpft wären. Beispiel Magdeburg: Hier haben Unikinik, Städtisches Klinikum und Pfeiffersche Stiftungen Isolierzimmer. Für eine Akutbehandlung läge die Kapazität in der 230.000-Einwohner-Stadt bei nur 80 bis 100 Betten. Daher ist es aus Sicht der Fachleute so wichtig, die Ausbreitung zu bremsen. „Die Maßnahmen der Italiener sind zwar drastisch aber richtig“, sagt Kaasch.

Auch in Deutschland wurden die Zügel angezogen. Im Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) schlossen alle Kitas und Schulen. Dort wurden zwei Infizierte gemeldet.

Klar ist: Corona ist gefährlicher als Grippe. Dafür sprechen vier Gründe. Erstens: Es gibt noch keinen Impfstoff. Der wird frühestens in 18 Monaten erwartet. Zweitens: Es ist noch unklar, inwieweit Menschen nach einer überstandenen Corona-Erkrankung immun sind. Drittens: Die Sterblichkeit ist höher. Bislang sind von 80.000 Erkrankten etwa 2700 gestorben. Das sind mehr als 3 Prozent. Bei der Grippe liegt der Anteil unter einem Prozent. Und viertens: Ob Corona im Frühjahr wieder verschwindet wie zumeist die Grippe, weiß auch noch niemand. „Eine Ausbreitungswelle mit solch drastischen Ausmaßen gab es bisher noch nicht“, sagt Kaasch.

Gut gewappnet ist Deutschland bei den Tests. Die Labore verfügen nach Einschätzung von Fachleuten über hohe Kapazitäten. Wer Symptome verspürt (Fieber, Husten, starke Halsschmerzen, Atemnot) sollte den Hausarzt aufsuchen. Das Landesamt für Verbraucherschutz und die Uniklinik haben zudem Bürger-Telefone geschaltet. Ansprechbar sind auch die Gesundheitsämter in den Kreisen.