Magdeburg (dpa) l Wo vor wenigen Jahren noch üppiges Grün in den Himmel ragte, klaffen heute in Sachsen-Anhalt vielerorts braune Kahlstellen im Wald. Bäume auf 25.000 Hektar Wald sind laut Umweltministerium seit 2018 Extremwetter und Schädlingen zum Opfer gefallen – eine Fläche so groß wie die Insel Malta. Damit die Wälder ihre Lücken schließen und auch kommende Generationen noch mit Holz versorgen kann, müssen das Land und die privaten Waldbesitzer nun kräftig aufforsten – und zwar mit Bäumen, die den neuen klimatischen Bedingungen gewachsen sind.

Es handle sich um "eine Herkulesaufgabe", sagte der Leiter des Landesforstbetriebs, Bernd Dost, in Magdeburg. Allein in den landeseigenen Wäldern seien rund 8500 von insgesamt 140.000 Hektar Fläche des Landesforsts kaputt gegangen. Über weitere 2000 bis 3000 Hektar Wald müsse sich noch ein Eindruck vom Zustand der Bäume verschafft werden. Bis zu zehn Jahre könne die Aufforstung dauern, erklärte der Fachmann.

Besonders akut sei die Lage im Harz – vor allem im Süd- und Oberharz, erklärte Dost. Teilweise gebe es Freiflächen von 200 bis 500 Hektar Größe. Die Förster stünden unter einem "gewissen Handlungsdruck", sagte der Betriebsleiter weiter. Denn wenn die Flächen zu lange kahl blieben, könne der Wald verwildern. Dann sei es schwerer, die Flächen wieder aufzuforsten.

Waldbesitzer ohne Einnahmen

Vor allem privaten Waldbesitzern macht der Kahlschlag schwer zu schaffen. "Die Waldbesitzer, die jetzt geschädigt sind, haben jetzt 30 Jahre lang keine Einnahmen", sagte der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes in Sachsen-Anhalt, Franz Prinz zu Salm-Salm. Die Fixkosten, etwa 120 Euro pro Hektar Waldfläche und Jahr, liefen natürlich weiter. Mehr als die Hälfte der Wälder in Sachsen-Anhalt ist in Privatbesitz – die meisten Besitzer haben nur einige Hektar. Deshalb müssten vor allem die unterstützt werden, forderte Salm-Salm.

Die wirtschaftlichen Folgen würden schon bald nicht mehr nur auf Waldbesitzer auswirken, sagte ihr Präsident. "Die Fichte ist jetzt fast weg aus Deutschland – ich bin mal gespannt, was die Häuslebauer sagen, wenn die Preise für Bauholz explodieren." Die vielen Monokulturen der schnellwachsenden Fichten in Deutschland sind besonders anfällig für Wetterauswirkungen und Schädlingsbefall. Ganz ohne Nadelholz gehe es aber nicht, sagte Salm-Salm.

Das Risiko streuen

"Es gibt kein Allheilmittel", sagte der Verbandspräsident mit Blick auf die Strategie zur Wiederaufforstung. "Wir streuen das Risiko." So würden die Besitzer dort, wo es der Buche inzwischen zu trocken ist, etwa Roteichen pflanzen. Als klimafeste Alternative zur Esche werde unter anderem Schwarznuss gepflanzt, statt Fichten etwa Douglasien.

Auch Landesförster Dost setzt auf Diversifizierung. Ziel sei es, dass jeder Förster fünf verschiedene Baumarten in freiflächigen Standorten pflanzt. So könne künftig verhindert werden, dass Schädlinge ganze Waldstücke platt machten – wie zuletzt im Harz geschehen. Dort befielen Borkenkäfer die in großer Zahl wachsenden und witterungsbedingt geschwächten Fichten. "Es ist schwer zu ertragen, wenn ein Lebenswerk durch Stürme und Trockenheit zusammenstürzt", sagte der Betriebsleiter. Das Problem sei derzeit, ausreichend junge Pflanzen zum Aufforsten zu bekommen. Die Nachfrage nach Pflanzen sei einfach größer als das Angebot.

Wundheilung betreiben

Laut Dost müssten, um den Wald schnellstmöglich zu retten, jedes Jahr auf einer Fläche von rund 1500 Hektar Wald neue Bäume gepflanzt werden. "Etwa 1200 Hektar schaffen wir dieses Jahr." Die Aufforstung im Frühjahr sei gut gelaufen. Durch den Regen der vergangenen Wochen sehe es auch bei der derzeitigen Herbstaktion gut aus. "Wir bräuchten also etwa zehn Jahre, um die Wundheilung zu betreiben", so Dost. Pro aufgeforsteten Hektar müssten im Schnitt etwa 5000 Euro investiert werden – wobei Bäume wie die Eiche teurer seien als etwa Fichten.

Um die Waldbesitzer bei der Aufforstung zu beraten, hat das Umweltministerium ein Merkblatt herausgegeben. "Wenn man aufforsten muss, dann trifft man eine sehr weitreichende Entscheidung für mehrere Generationen", sagte Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne). "Welche Baumarten halten der Klimakrise stand? Werden meine Enkelkinder etwas von diesem Wald haben? Das Merkblatt hilft dabei, diese Fragen zu beantworten." Neben geeigneten Baumarten liefert das Blatt außerdem Informationen zur Standortswasserbilanz und zur Bodenbeschaffenheit. "Ich lege diese Empfehlungen allen ans Herz."