Farasis-Batteriefabrik

Was wird aus den Plänen? Rätsel um 2000 geplante Farasis-Jobs in Sachsen-Anhalt

Farasis wollte bald mit der Batteriezellen-Produktion in Bitterfeld-Wolfen starten. Nun stellt der Daimler-Zulieferer den Standort infrage. Was wird aus den Plänen?

Von Massimo Rogacki
Wird Daimler die Batteriezellen für seine E-Autos vom chinesischen Hersteller Farasis wie angekündigt in Bitterfeld-Wolfen herstellen lassen?
Wird Daimler die Batteriezellen für seine E-Autos vom chinesischen Hersteller Farasis wie angekündigt in Bitterfeld-Wolfen herstellen lassen? Foto: dpa

Magdeburg - Investitionen von 600 Millionen Euro, bis zu 2000 neue Jobs: Im April 2022 sollte die Zellproduktion des chinesischen Unternehmens Farasis Energy in Bitterfeld-Wolfen starten. In dieser Woche erfuhr das „Handelsblatt“, der Start werde sich um mindestens zweieinhalb Jahre – bis Oktober 2024 – verzögern. Und schlimmer noch: Das Werk stehe sogar auf der Kippe.

Grund: Farasis kämpft mit den Tücken der Massenproduktion, fährt nun zunächst die Produktion in China hoch, um Erfahrungen zu sammeln. Partner Daimler schwenke außerdem um und wolle verstärkt selbst wieder in die Großserienproduktion von Zellen einsteigen.

Eine Farasis-Sprecherin bestätigte gestern der Volksstimme, gemeinsam mit Daimler bewerte man in den kommenden sechs Wochen verschiedene Standorte. Es sei noch „nichts spruchreif“. Die Zusammenarbeit stehe nicht zur Disposition.

Wirtschaftsministerium gelassen

Das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt bleibt gelassen: Man stehe mit Farasis Energy in „regelmäßigem Austausch“ und begleite die angekündigte Großinvestition. „Wir gehen davon aus, dass sich das Unternehmen am neuen Standort erfolgreich entwickeln wird“, heißt es von einem Sprecher. Fördermittel seien bislang nicht ausgezahlt worden.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht derweil bei vielen Herstellern von Batteriezellen Probleme. Beim Hochlauf der Fertigung dürfe man die angesetzten Zeitpläne nicht überschätzen. „CATL in Erfurt, selbst Tesla in Grünheide – alle sind sie in Verzug“, sagt Dudenhöffer der Volksstimme.

Bedarf an Zellen steigt

Ihm stelle sich nicht die Frage, ob Farasis nach Sachsen-Anhalt komme, sondern wann. Langfristig sei es nicht möglich, die Daimler-Standorte in Europa von China aus zu beliefern. Der Transport von Zellen sei „sehr sensibel“. Daimler brauche die Hersteller vor Ort. Er bezweifele auch, dass der steigende Bedarf an Batteriezellen beim Autobauer mit eigenen Fabriken gedeckt werden könne.

Farasis wurde 2002 in Kalifornien gegründet und hat seinen Hauptsitz inzwischen in Ganzhou (China). Neben Daimler kooperiert Farasis mit dem Zulieferer Hella und dem chinesischen Autobauer Geely. Der Standort in Sachsen-Anhalt sollte nach dem Willen des Konzerns zum neuen Europasitz werden. Bitterfeld-Wolfen biete das „beste Gesamtpaket für die nachhaltige Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien“, begründete Sebastian Wolf, Europa-Chef von Farasis, die Standortwahl im Frühjahr 2019.

Die ursprünglichen Pläne sahen vor, in Bitterfeld-Wolfen auf rund hundert Hektar Fläche ein Werk für sogenannte Pouch-Zellen mit einer jährlichen Kapazität von etwa zehn Gigawattstunden zu errichten.