Magdeburg l Mehr als 300.000 Menschen lesen täglich die Facebook-Beiträge der Seite „Polizist=Mensch“. Dort posten Beamte aus ganz Deutschland Bilder aus ihrem Berufsalltag, teilen ihre Geschichten, zeigen den Menschen hinter der Uniform. Auch mit Bürgern kommunizieren Marco Vogt und seine Kollegen über die verschiedenen Social-Media-Kanäle. Markus Vogt über den Ursprung der Webseite und die immer stärkere Präsenz der Polizei in den sozialen Medien:

Warum haben Sie die Seite „Polizist=Mensch“ gegründet?
Marco Vogt: Damals war die Polizei in sozialen Netzwerken noch nicht wirklich vertreten. Es gab noch das Rückkanalverbot. Die Polizei durfte informieren, aber nicht auf Rückfragen antworten. Mit „Polizist=Mensch“ wollte ich eine Plattform schaffen, auf der sich Polizisten und Bürger auf Augenhöhe bewegen und diskutieren können. Wir wollten weg vom Image des Uniformierten, der nur Paragrafen gerlernt hat, sonst aber nichts kann, und dafür den Menschen hinter der Uniform zeigen. Das können die offiziellen Seiten nicht. Auch wir haben Gefühle, Ängste und Sorgen. Dabei ist der Polizist ein Bürger wie jeder andere.

Wie ist die Resonanz?
Überwiegend positiv. Es gibt natürlich auch schon mal Kritik. Entweder an unseren Statements zu bestimmten Aspekten oder aber generell an der Polizei, aber auf diese Art und Weise kommen wir auch ins Gespräch mit den Bürgern. Zudem können wir die ein oder andere Falschinfo geraderücken.

Bilder

Immer mehr Polizei-Dienststellen sind bei Twitter, Facebook und Instagram vertreten. Das macht sie einerseits nahbarer, andererseits geht die Distanz verloren. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?
Die deutsche Polizei versteht sich als zivile Bürgerpolizei. Wir wollen gar nicht, wie in anderen Ländern üblich, als militant wahrgenommen werden. Wir sind Bürger in einer Uniform. Von daher sind die Auftritte der Polizei bei Social Media besonders wichtig, um ins Gespräch zu kommen mit dem Bürger. Früher gab es Dorfsheriffs, mit denen die Leute sich einfach mal unterhalten konnten. Aber die Personaleinsparungen der vergangenen Jahre haben vieles kaputt gemacht, die Polizei ist aus der breiten Fläche verschwunden. Über Social Media kann diese Distanz ein Stück weit abgebaut werden.

Wo gibt es noch Nachholbedarf?
Es gibt sicher noch großen Nachholbedarf bei personalisierten Accounts. In den Niederlanden zum Beispiel sind junge Kontaktbeamte rund um die Uhr per WhatsApp erreichbar, für den Bürger greifbar. In Kaiserslautern gibt es aktuell ein Pilotprojekt mit personalierten Accounts bei Instagram. Die Polizei muss wieder persönlicher werden.

Ist der Respekt gegenüber Polizisten gesunken?
Ja. Ich bin seit 29 Jahren im Polizeidienst. Sowohl auf der Straße als auch auf unserer Seite merken wir, dass der Ton deutlich rauer geworden ist. Die Gründe dafür sind sicher vielschichtig. Ein Grund sind sicher soziale Medien. Wenn eine Meinung nicht allgemeinverträglich ist, ist der Gegenwind schnell da. Es kommt schnell zu provokanten Äußerungen, die dann eben auch im Netz stehen bleiben.