Magdeburg l „Wie war es denn in der vordigitalen Zeit?“, fragt Michael Lämmerhirt, Vorstandsvorsitzender der Lubey AG in Halle. Und er gibt die Antwort gleich selbst: „Firmen, die früher Produktionsabfälle hatten, wälzten Gelbe Seiten oder googelten, um Unternehmen zu finden, die Sekundärstoffe entsorgen.“ Telefonanrufe hin und her, um Preise zu vergleichen und den besten Anbieter zu finden. „Das kostete einen Haufen Zeit.“

Mit Lubey.de, dem unabhängigen Online-Marktplatz für Abfälle und Sekundärrohstoffe, ist das jetzt anders. „Über unsere Internetseiten braucht es nur noch vier Schritte, um den geeignetsten Anbieter herauszufiltern.“

Die Eingabefelder fragen nach der genauen Bezeichnung des zu entsorgenden Stoffes, nach Abhol- und Lieferbedingungen, den Zustand des Hofes, um das richtige Transportmittel einsetzen zu können, und wie oft Container gestellt werden müssen.

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Es ist nicht alles Abfall

Über einen Auktionsmechanismus können Entsorger einen Preis anbieten. Eine Ampel zeigt dem Müllanbieter dann an: Rot: nicht akzeptabel, Gelb: naja, Grün: bestes Gebot.

60 Stoffklassen umfasst das digitale Portal – ganz gleich, ob Großkunden, Mittelstand oder die öffentliche Hand, sie alle können den Online-Marktplatz für Abfälle und Sekundärrohstoffe nutzen.

„Am Herzen liegt uns, dass immer mehr Kunden begreifen, dass nicht alles Abfall ist, was entsorgt werden muss“, sagt Lämmerhirt. „Vieles kann recycelt werden, so zum Beispiel Altöl zu fast 100 Prozent.“

Und über die Altölentsorgung sei vor einigen Jahren auch die Idee für das Portal entstanden. „Wir haben damals zusammengesessen und festgestellt, dass es bei dieser Stoffklasse extrem lange dauert, bis ein kompetenter Entsorger gefunden wird. Das war der Funke. Es folgte ein Prototyp und 2017 wurde Lubey.de scharfgeschaltet.“

Lubey gehört zu den drei Gewinnern der „Digitalen Erfolgsgeschichten“ Sachsen-Anhalts. Der Wettbewerb fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt und steht für vielfältige Ansätze, digitale Technologien für den wirtschaftlichen Erfolg zu nutzen. Querbeet über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg.

Vom Industrieunternehmen, das für international arbeitende Kunden neue Märkte erschließt, über Großhandelsunternehmen mit digitalem Geschäftsmodell bis hin zur Bio-Bäckerin, die sich durch 3-D-Druck von der Konkurrenz abhebt. Alle Unternehmen, die am Wettbewerb teilnehmen, machen deutlich, dass sie sich in Sachsen-Anhalt mit Hilfe der Digitalisierung eine Perspektive aufgebaut haben.

Mobiles Kassensystem

Wer die Tonfunkgruppe in Ermsleben im Harz sucht, muss ortkundig sein – trotz der rund 500 Mitarbeiter, die das Unternehmen beschäftigt. Befindet sich der Firmensitz zwar fast „am Ende der Welt“, ist das „Profipay-Kassensystem 2.0“ inzwischen alles andere als ein Geheimtipp. „Die Idee für das System, das aus der Software und der vom eigenen Fertigungsunternehmen hergestellte Kassen-Hardware besteht, war ein Zufallskind“, sagt René Grzega, Geschäftsführer der Tonfunk-Systementwicklung. „Ein Geschäftsmann aus Frankreich, der Lieferant des Bundesligisten Schalke 04 war, fragte an wegen des Baus eines neuen Kassensystems“, so Grzega weiter.

Hintergrund der Anfrage sei gewesen, dass Tonfunk damals bereits digitale Verkaufslösungen, unter anderem für Tuifly, umgesetzt hatte. „Wir haben uns die Fußballsparte näher angesehen und waren uns nach einer genauen Marktanalyse schnell einig: Das machen wir.“ Grundgedanke sei gewesen, statt ein bestehendes Kassensystem immer mehr aufzurüsten, was die Störanfälligkeit erhöht, eine robuste Hard- und Software aus einem Guss, passgenau für den Sport- und Veranstaltungsbereich, zu entwickeln.

2013 war es so weit. Tonfunk brachte das neue mobile Kassensystem auf den Markt. „Profipay“ bietet den Fans im Stadion digitale Verkaufs- und Bezahllösungen, ähnlich wie Amazon, an – einfach, bequem und schnell. „Gleichzeitig bieten wir den Vereinen und Sponsoren neue Möglichkeiten der Verkaufsförderung an“, so Grzega.

Statt der Stadionkarte oder eines Bändchens am Handgelenk, die umständlich ausgegeben und aufgeladen werden müssen, sei nun das Smartphone Dreh- und Angelpunkt des Besuchers.

„Mit unserer App, die sich für jede Veranstaltung und jeden Veranstaltungsort mit individuellen Inhalten füllen lässt, kann sich der Fan über Veranstaltung, Vereine oder spezielle Aktions- und Rabatt-angebote informieren und Speisen, Getränke oder Fanartikel online bestellen.“ Nach Platz zwei im vergangenen Jahr mit dem digital-interaktiven Funkstreifenwagen steht Tonfunk 2019 auf dem obersten Siegerpodest.

Abschiedsgestaltung

„Es gibt nur zwei wichtige Termine im Leben eines Menschen“, sagt Stefanie Oeft-Geffarth, Geschäftsführerin der Convela GmbH in Halle, „Geburt und Tod“. Letzterem widmet sich ihr Unternehmen seit 2015 mit dem „Funeral Marketplace“, was so viel bedeutet wie „Marktplatz für alles rund um Beisetzungen“. Das Online-Portal hat inzwischen Kunden in ganz Europa und den USA.

„Wir vernetzen Privatkunden mit den professionellen Anbietern der Bestattungsbranche“, so die Firmen-Chefin. „So ist es möglich, dass Hinterbliebene und Menschen, die für einen Todesfall vorsorgen wollen, jederzeit an jedem Ort entscheiden können, wie der Abschied gestaltet werden soll.“

Oeft-Geffarth hat in Halle Kunst und in Leipzig Philosophie studiert. Da sei der Weg, sich mit „existenziellen Fragen zu beschäftigen, schon vorgezeichnet gewesen“.

Die Idee, sich näher mit dem Tod zu beschäftigen, sei entstanden, nachdem sie 2011 angesprochen wurde, ob sie Erinnerungsschmuck anfertigen möchte. „Da war ich nicht abgeneigt.“ Später sei die Erkenntnis hinzugekommen, dass sich immer weniger Menschen um Grabpflege kümmern können und der Trend zur grünen Wiese und zu Friedwäldern immer größer wird. „Was letztlich bleibt, ist die Trauerfeier, und da sind die Bestattungsunternehmen nicht sehr flexibel. Der Beratungsaufwand übersteigt deren Möglichkeiten und zum Teil auch den Willen.“

Auf dem „Funeral Marketplace“ könne man den Abschied völlig individuell zusammenstellen, bis hin zur Buchung der Trauerhalle. Der Marktplatz ist sowohl für Hersteller rund um die Bestattung, Dienstleister und Privatkunden gedacht. Auch Dokumente wie Heirats- und Sterbeurkunde können digital hinterlegt werden. Die wichtigsten Formulare für Verwaltungsvorgänge sind im System zu finden. „Sie werden mit dem Dokument verknüpft und werden direkt an Standesämter, Krematorien oder Friedhofsverwaltungen versendet.“

„Intelligente Detaillösungen für zur Digitalisierung einer ganzen Branche“, ist die Geschäftsführerin sicher.