Magdeburg (jb/rk/jp) l „Die aktuelle Vorhersage geht im Westen Deutschlands von Werten um 40 Grad aus. Kommt es so, stellt dies alles bisher Dagewesene in den Schatten!“ vermeldete gestern der Deutsche Wetterdienst via Twitter. Kleiner Trost: Die Prognosen für Sachsen-Anhalt fielen mit durchschnittlich 36 Grad nicht ganz so heftig aus. In der Gegend um Bernburg, im Vorjahr mit 39,5 Grad heißester Ort in Deutschland, könnten nach Aussagen von Jens Oehmichen vom Deutschen Wetterdienst Leipzig „über 38 Grad Celsius“ erreicht werden.

Die Volksstimme hörte sich um, wie sich die Sachsen-Anhalter auf die Hitze einstellen:

⦁ In den drei Freibädern rund um Gardelegen geht man von einen Ansturm aus. Allein in Zichtau tummeln sich an Spitzentagen 1500 Badegäste im kühlen Nass. „Die Bademeister entscheiden selbst, wenn es so voll ist, dass kein weiterer Eintritt mehr erfolgen sollte“, erklärt Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher auf die Frage, was passiert wenn die Kapazitäten erreicht sind. Die natürlichen Schattenplätze seien schnell weg. „Wir haben auch Strandkörbe - aber vom Grundsatz her, ist jeder selbst zuständig, mit Sonnenschirmen für ausreichend Schatten zu sorgen.“ Nicht zu beneiden sind dagegen die Hitzegeplagten in Wolmirstedt, denn das Freibad ist seit Dienstag auf unbestimmte Zeit geschlossen. Grund: Der Schwimmmeister ist krank.

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⦁ Keine Gnade kennt die Kleiderordnung bei der Polizei im Land. Die langen Hosen und schweren Einsatzstiefel bleiben an. „Mir tun die Kollegen leid, aber wir haben Uniformzwang“, erklärt Dirk Marscheider, Polizeisprecher der Inspektion Stendal. Dafür sei die Versorgung mit Wasser gesichert. Zwei Flaschen kann sich jeder Beamte an heißen Tagen beim Innendienst abholen. Aber auch die Diensthunde hätten unter der Hitze zu leiden: „Sie sind bei der Fährtensuche viel schneller platt und brauchen eine Pause, da muss der Hundeführer aufpassen.“

⦁ In den Fitnessstudios geht es trotz der Temperaturen heiß her. „Die disziplinierten Hardcore-Sportler kommen trotzdem“, berichtet Lucky-Fitness-Betreiber Marcel March. Er sorgt mit Umluft für Erfrischung oder lässt Kurse nach Draußen verlegen. „Klimaanlagen haben die Leute im Studio nicht so gerne, außerdem sind das Bakterienschleudern.“

⦁ Die Hitze sorgt vor allem bei älteren Menschen für Kreislaufprobleme – eigentlich. Zwar haben die Bewohner des Demenzzentrums der Pfeifferschen Stiftung in Magdeburg heute vorsichtshalber „Stubenarrest“, wie Leiterin Anne Wedlich schmunzelnd anmerkt. In der Regel kämpfen aber eher ihre Mitarbeiter mit der Hitze. „Erstaunlicherweise beeinträchtigt die Hitze die Bewohner nicht so sehr, da sie eh schnell frieren.“

⦁ Die Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes sind für alle Wetterlagen gerüstet. „Bei diesen Temperaturen kommt es vor allem zu Herz-Kreislauf-Versagen und Hitzschlag“, so Pressesprecherin Annemarie Söder. Den Einsatzkräften stehen Getränke und gelegentlich ein Eis zur Abkühlung zur Verfügung, so Söder.

⦁ 36 Grad von oben und 230 Grad von unten: Die Straßenbauarbeiter, die auf der A2-Baustelle zwischen Lostau und Rothensee schuften müssen, erwartet in den nächsten Tagen wieder Hitze von allen Seiten. An der Baustelle wird nämlich aktuell 230 Grad heißer Gussasphalt aufgetragen. „Wir werden versuchen, die meisten Arbeiten in die Nachtschicht zwischen 19 und 5 Uhr zu legen“, sagte Eurovia-Niederlassungsleiter Thomas Foltys. Neben ausreichend Wasser erhalten die Mitarbeiter am Tage Sonnencreme, Hüte und verlängerte Pausen.

⦁ Und die Deutsche Bahn? Die hat sich laut einer Sprecherin „organisatorisch, technisch und personell für neue Hitzeperioden gewappnet“. Unter anderem gebe es Wasservorräte an den Bahnhöfen. „Auch laufen unsere Klimaanlagen in unseren Zügen derzeit konstant auf hohem Niveau“, so die Bahnsprecherin.