14 Standorte im Gespräch

Wie Sachsen-Anhalt jetzt Ankunftsklassen für ukrainische Schüler plant

Jeden Tag kommen Menschen aus der Ukraine nach Sachsen-Anhalt, darunter sind viele Kinder und Jugendliche. Das Land ist dabei, den Unterricht für sie zu organisieren. Dabei sollen auch Ankunftsklassen und ukrainische Lehrer helfen.

24.03.2022, 16:57
Sachsen-Anhalt plant Ankunftsklassen für ukrainische Kinder, die als Flüchtlinge vor dem Krieg gekommen sind.
Sachsen-Anhalt plant Ankunftsklassen für ukrainische Kinder, die als Flüchtlinge vor dem Krieg gekommen sind. (Foto: dpa/Symbol)

Magdeburg/dpa - Sachsen-Anhalt plant für ukrainische Kinder und Jugendliche die Einrichtung sogenannter Ankunftsklassen. Das sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Donnerstag in einer Debatte zum Ukraine-Krieg im Landtag.

Haseloff sprach im Parlament zunächst von 14 Standorten für den Primarbereich und weiteren 14 Standorten im Sekundarbereich. Doch möglicherweise ist das erst der Anfang: Am Donnerstagnachmittag tauschten sich Mitglieder der Landesregierung und der Landkreise zur Organisation dieses Schulbetriebs aus.

Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur vor der Videoschalte, dass die geplanten 14 Standorte aufgrund des stetigen Zustroms von Geflüchteten wahrscheinlich nicht ausreichen würden. Die Ankunftsklassen sollen vor allem dort eingerichtet werden, wo aktuell sehr viele Ukrainer in Sachsen-Anhalt untergebracht worden sind.

Dort sollen auch ukrainische Lehrerinnen und Lehrer sowie Lehrkräfte mit dem Schwerpunkt Deutsch als Zweitsprache zum Einsatz kommen. Laut Feußner sind die Ankunftsklassen als „Übergang“ zur regulären Beschulung geplant. In der Landtagsdebatte hatte die Opposition zuvor deutliche Kritik an dem Modell geübt. „Das ist doch eine Idee, die nicht funktioniert“, sagte Linken-Bildungsexperte Thomas Lippmann. Seine Fraktionskollegin Henriette Quade kritisierte, zentrale Schulstandorte seien das „Gegenteil von Integration“.

Die Grünen sehen das ähnlich. „Was diese traumatisierten Kinder und Jugendlichen jetzt brauchen, ist entweder ihren ukrainischen Unterricht weiterverfolgen zu können oder schnell in die Regelklassen integriert zu werden“, sagte Sebastian Striegel. Die regierungstragenden Fraktionen wiesen die Kritik zurück. SPD-Fraktionschefin Katja Pähle sagte, Ziel sei eine schnellstmögliche Integration der Kinder und Jugendlichen in Schulen und Kitas. Die Ankunftsklassen seien jedoch eine nötige Vorstufe, um zügig Unterricht anbieten zu können.

Sachsen-Anhalts Landkreise und kreisfreie Städte haben nach Angaben des Innenministeriums bislang rund 13.500 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. Darunter sind mindestens 1100 Kinder im Kindergarten- und rund 2500 Kinder im schulpflichtigen Alter. In der Landtagsdebatte dankte Ministerpräsident Haseloff der Bevölkerung und den Kommunen. Diese hätten bei der Unterbringung, der Verpflegung und der Betreuung der geflüchteten Menschen bisher Großartiges geleistet. Es gebe einen breiten Konsens zur Aufnahme von Flüchtlingen in Sachsen-Anhalt, sagte Haseloff.

Der Regierungschef betonte jedoch auch: „Die Folgen dieses Krieges sind nicht absehbar.“ Die schwarz-rot-gelbe Koalition stellte sich mit einem Antrag erneut gegen den Angriffskrieg Russlands. Als wesentliche Herausforderungen werden darin neben der Integration von Kindern in Kitas und Schulen, die Unterbringung der Menschen in Wohnungen und der Zugang zum Arbeitsmarkt benannt.

Pähle betonte, dass sich die Finanzierung dieser Aufgaben auch im Landeshaushalt 2022 widerspiegeln müsse. Die AfD nutzte die Debatte für eine Abrechnung mit der europäischen Asylpolitik. Fraktionschef Oliver Kirchner sagte, man befürchte im Zuge des Krieges die Einreise von „Schwarzafrikanern“ über die Ukraine, da man sich dort einen „billigen Pass“ besorgen könne.