Magdeburg l Pfleger, IT-Experten, Bauarbeiter oder Servicepersonal – in Sachsen-Anhalt fehlen Fachkräfte. Grund ist die demografische Entwicklung. Jeder vierte Beschäftigte ist älter als 55 Jahre. 2013 war es noch jeder Fünfte. Der Trend dürfte sich in den kommenden Jahren verschärfen: Die Babyboomer gehen in den Ruhestand. Jünger als 25 Jahre sind derzeit schon nur sieben Prozent der Beschäftigten. Um den Trend zu stoppen, werde Sachsen-Anhalt zeitnah auf die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften angewiesen sein, sagt Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen im Land. Die Politik müsse Wege finden, das Land für Fachkräfte attraktiver zu machen.

Die Suche nach qualifiziertem Personal – für Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg (HWK), besteht darin die große Herausforderung für 2020. Schon jetzt können mehr als 40 Prozent der Handwerksbetriebe im Land vakante Stellen nur unter großem Aufwand besetzen. Abhilfe könnte ein Gesetz zur Einwanderung von Fachkräften schaffen. Am 1. März 2020 tritt es in Kraft. Es soll die Einwanderung qualifizierter Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Ländern erleichtern. Die HWK setzt große Hoffnungen auf Fachkräfte aus Vietnam.

Verbesserung durch Zuwanderung

Kay Senius erhofft sich durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ebenfalls einen Schub. Generell müssten Anerkennungsverfahren für ausländische Berufs- und Studienabschlüsse beschleunigt werden. Auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) kann der bevorstehenden Neu-Regelung viel abgewinnen. Das Gesetz könne dazu beitragen, dem Fachkräfte-Problem entgegenzuwirken. Langfristig seien indes auch Unternehmen gefragt, möglichst attraktive Bedingungen zu schaffen.

Dass Firmen freie Stellen immer schlechter besetzen können, gilt nicht zuletzt bei der Suche nach Nachwuchs. 1000 Stellen blieben zuletzt unbesetzt. Für Senius liegen die Gründe auch hier in der demografischen Entwicklung. Hinzu kommt die Studierneigung vieler. Die Ausbildung müsse stärker in den Vordergrund gerückt werden. HWK-Chef Grupe dringt darauf, die berufliche Bildung zu stärken. Dass die Landespolitik es nicht schaffe, ein Azubi-Ticket auf den Weg zu bringen, bezeichnet er als „Armutszeugnis“.

Bei der wirtschaftlichen Entwicklung sehen Willingmann wie auch Senius das Land auf einem guten Weg. Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) rechnet für Ostdeutschland 2020 mit einem Wachstum von 1,3 Prozent. Senius sieht die aktuelle konjunkturelle Delle als Folge der Wechselwirkungen der internationalen Märkte. Für den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Magdeburg (IHK), Klaus Olbricht, gibt es Unwägbarkeiten beim Brexit. Schnell brauche man klare Verabredungen und Verträge, wie die Handelsbeziehungen künftig aussehen.

Der Wirtschaftsminister erhofft sich Chancen durch den Wandel in der Autoindustrie. 2019 haben sich etwa Porsche und der Batteriehersteller Farasis angesiedelt. Für Zukunftstechnologien könne das Land zum wichtigen Standort werden, sagt Willingmann.