Magdeburg l Sachsen-Anhalts Wohnungswirtschaft ächzt unter leerstehenden Wohnungen: 32.000 sind verwaist. Rund 330.000 verwalten die Mitglieder des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften und des Verbandes der Wohnungswirtschaft insgesamt.

Bereits im vergangenen Jahr vermeldeten 90 von 191 Wohnungsunternehmen einen Anstieg des Leerstands. Der Trend hält an. Insbesondere auf dem Land ist die Quote hoch. Hier stehen mehr als doppelt so viele Wohnungen (13 Prozent) leer wie in den Großstädten (6 Prozent).

Für Ronald Meißner, Direktor des Verbands der Wohnungsbaugenossenschaften (VdWg), Grund zur Sorge: Der Leerstand werde zur Gefahr bei der Entwicklung von Wohnquartieren und habe negative Auswirkungen auf die Lebensqualität in Städten und Gemeinden, sagte Meißner gestern in Magdeburg.

200.000 Menschen weniger bis 2030

Problem: Die Bevölkerung schrumpft, laut Wohnungsmarktbericht des Landes um mehr als 200.000 Menschen bis zum Jahr 2030. Der Leerstand könnte dann über 160.000 Wohnungen betragen. Rückbaubedarf: knapp 198.000 Wohneinheiten. Die Wohnungswirtschaft im Land schlägt Alarm: Unternehmen könnten auf der Strecke bleiben, wenn die nötige finanzielle Unterstützung von Bund und Land ausbleibt. Das Geld für fällige Investitionen sei schon jetzt knapp. Denn: „Leerstand kostet Geld und leere Wohnungen bringen keinen Ertrag“, so Meißner. Wenig Spielraum gibt es auch bei den Mieten.

Im Bundesvergleich zahlen die Sachsen-Anhalter am wenigsten. Fünf Euro pro Quadratmeter rufen die Mitgliedsunternehmen der zwei großen Verbände auf. Im kommenden Jahr sollen nichtsdestotrotz 500 Millionen Euro investiert werden, der gleiche Betrag wurde bereits 2019 in Erhalt, Sanierung und Neubau gesteckt.

Die Herausforderung bestehe darin, Wohnungen qualitativ zu entwickeln, aber gleichermaßen bezahlbar zu halten, sagt VdWg-Direktor Meißner. Und wie sollen Modernisierungen oder Rückbau von den Wohnungsbauunternehmen bezahlt werden? Jens Zillmann, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft (VdW), dringt unter anderem auf ein neues Städtebauprogramm bis 2030.

Faire Lösungen für Altschulden nötig

Wohnungsunternehmen sollten damit verlässlich und wirkungsvoll unterstützt werden. Zudem müsse eine faire Lösung für 720 Millionen Euro kommunale Altschulden aus Zeiten des DDR-Wohnungsbaus her. Eine klare Zusage zur Kofinanzierung von Bundesmitteln im Haushalt fordert Zillmann vom Land Sachsen-Anhalt.

Für Städtebau- und Wohnraumförderung will die Bundesregierung für 2020 Finanzmittel von knapp 1,8 Milliarden Euro bereitstellen. Rund 100 Millionen müsste das Land beisteuern.