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Jürgen MannkeZum Rapport ins Ministerium

Der Vorsitzende des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt ist für Dienstag zu einem Gespräch ins Kultusministerium einbestellt worden.

Von Hagen Eichler 09.11.2015, 20:00

Magdeburg l„Ich bin empört und schockiert, weil ich die Lehrerschaft ganz anders wahrnehme“, sagte Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) am Montag in einem Volksstimme-Gespräch. „Viele engagieren sich für die Begrüßungskultur an den Schulen.“ Staatssekretär Jan Hofmann habe Mannke und dessen Stellvertreterin, Iris Seltmann-Kuke, für heute zu einem Gespräch eingeladen. Dorgerloh: „Wir werden dabei klarmachen, dass eine solche Haltung an unseren Schulen nichts zu suchen hat. Vom Verlauf des Gesprächs werden wir abhängig machen, ob weitere Schritte nötig sind.“

In der Verbandszeitschrift hatten Mannke und seine Stellvertreterin Iris Seltmann-Kuke von einer „Immigranteninvasion“ geschrieben und gefragt, wie junge Mädchen vor muslimischen Männern gewarnt werden könnten. Diese kämen „nicht immer mit den ehrlichsten Absichten“, heißt es in dem Text. Dabei wird auf Berichte „in Gesprächen mit Bekannten“ über eine Zunahme sexueller Belästigungen verwiesen. In dem Verband organisierte Lehrer werden weiter aufgefordert, Mädchen vor einem „oberflächlichen sexuellen Abenteuer“ mit muslimischen Männern zu warnen. Grundsätzlich bekennt sich Mannke aber zur Aufnahme von Flüchtlingen. Im Philologenverband sind hauptsächlich Gymnasiallehrer organisiert.

Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) distanzierte sich von den Äußerungen. Er sagte der Volksstimme: „Wir sind alle gut beraten, in dieser Zeit und zu diesem Thema keine Klischees und Vorurteile zu bedienen, sondern stattdessen mit Umsicht und Engagement unsere Aufgaben zu erfüllen, damit Integration gelingen kann.“

Der Artikel hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Inzwischen rudert Mannke zurück. Am Montag veröffentlichte er eine Erklärung. Darin heißt es, er sehe „die Wortwahl einiger Passagen im Nachhinein als unglücklich und missverständlich gewählt“. Dafür wolle er sich entschuldigen. Er habe niemals die Absicht gehabt, Menschen anderer Religionen, Nationen und Kulturen zu diffamieren, Ängste zu schüren, nationalistische Klischees zu bedienen oder zu pauschalisieren.

Am Freitag hatte Mannke eine solche Distanzierung noch ausdrücklich abgelehnt. „Ich würde den Artikel wieder so schreiben. In der Bevölkerung nimmt man das so wahr. Es ist die Wahrheit“, sagte er auf Volksstimme-Nachfrage. Er verwies darauf, dass er zu 90 Prozent positive Reaktionen erhalten habe.

In seiner Schule, dem Goethegymnasium Weißenfels, erfährt Mannke Rückendeckung. Schon vor einer für heute geplanten Sondersitzung der Elternvertretung sagte ihr Vorsitzender Curt Wenzel, die Elternschaft stehe hinter dem Schulleiter. „Er hat unglücklich formuliert, aber Sorgen angesichts der vielen jungen Männer haben wir alle, und das muss man auch aussprechen dürfen.“ Wenzel sprach von „medialer Hetze“ gegen Mannke und betonte dessen Verdienste um die Schule. „Er hat das Goethegymnasium zu einem der besten in Sachsen-Anhalt gemacht und ist ein toller Direktor.“

Unter Gymnasialleitern ist die Meinung geteilt. Dietmar Collatz vom Gardeleger Geschwister-Scholl-Gymnasium sagte, zwar seien einige Formulierungen nicht glücklich gewesen. Mannke habe aber auf ein wichtiges Problem aufmerksam gemacht – die Integration von Flüchtlingen in das Schulsystem. Kritischer urteilt Dietrich Lührs, Leiter des Magdeburger Domgymnasiums. Mannke sei zwar kein Ausländerfeind. „Durch seine Sätze können sich aber Ausländerfeinde bestärkt fühlen. Wenn man Ängste hat, muss man die anders ausdrücken.“ Mannkes Rücktritt als Verbandschef fordert Lührs nicht. Die bisherige Arbeit sei tadellos gewesen. Besser als ein Rücktritt sei Mannkes Einsicht, danebengelegen zu haben.

Harsche Kritik kam von der Lehrergewerkschaft GEW. Der Landesvorstand reagiere „mit völligem Unverständnis und Bestürzung", hieß es in einer am Montag verbreiteten Erklärung. Mannke und seine Stellvertreterin Iris Seltmann-Kuke hätten Migranten pauschal diffamiert und „mit plumpen Unterstellungen ein Zerrbild der derzeit zu uns kommenden Menschen“ gezeichnet. Der Beitrag sei „eine Schande für Lehrerinnen und Lehrer und zieht das Ansehen eines ganzen Berufsstandes in den Schmutz“. Der Lehrerhauptpersonalrat werde sich auf seiner nächsten Sitzung mit den Aussagen beschäftigen. Dem Gremium gehört auch Seltmann-Kuke an.

Der Chef des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte: „Das Aufgreifen von unbestätigten Gerüchten in einer schon jetzt gesellschaftlich aufgeheizten Situation ist nicht der richtige Weg, die vor unserer Gesellschaft und unseren Schulen liegenden Herausforderungen zu meistern.“ Er halte all jene Passagen „für weder berechtigt noch akzeptabel, in denen mit Hinweis auf Gespräche mit Bekannten unbestimmte Ängste vor sexuellen Belästigungen junger deutscher Mädchen durch muslimische Einwanderergruppen thematisiert werden“. Der Philologenverband Nordrhein-Westfalen zeigte sich „entsetzt“.