Magdeburg (dpa) l Das Deutsche Studentenwerk (DSW) hält die Bafög-Pläne der Bundesregierung für unzureichend. Der Grundbedarf müsse stärker erhöht werden als bislang vorgesehen, forderte Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde bei der jährlichen DSW-Förderungstagung in Magdeburg. Zudem hält er strukturelle Veränderungen bei der staatlichen Ausbildungsförderung für nötig.

Die Bafög-Novelle von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sieht vor, dass der Förderhöchstbetrag von 735 auf 861 Euro steigt. Der Wohnzuschlag für Studenten, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, soll künftig bei 325 statt 250 Euro im Monat liegen. Auch höhere Elternfreibeträge sind vorgesehen. Die Reform soll zum Wintersemester 2019/2020 greifen. Karliczek rechnet dadurch mit einer Umkehr des seit Jahren anhaltenden Trends, dass immer weniger Studenten Bafög bekommen.

Meyer auf der Heyde bezweifelt jedoch, dass das gelingt. Selbst wenn die Reform wie vom Ministerium versprochen 100.000 zusätzliche Bafög-Empfänger brächte, gleiche das noch nicht einmal den Rückgang seit dem Jahr 2012 aus. Nachbesserungsbedarf sieht das DSW vor allem beim Grundbedarf, der nur von 399 auf 427 Euro steigen soll. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass der Grundbedarf bei 500 bis 550 Euro liegen sollte", sagte Meyer auf der Heyde.

Ein Problem sieht das DSW darin, dass nur 1,6 Millionen der 2,85 Millionen Studenten in Deutschland überhaupt anspruchsberechtigt sind - noch bevor Elterneinkommen und Vermögen geprüft werden. Wer die Regelstudienzeit überschreitet oder über der Altersgrenze von 30 Jahren beim Bachelor und 35 Jahren beim Master liegt, bekommt kein Bafög mehr. Laut Meyer auf der Heyde schaffen aber nur 37 Prozent der Studenten ihr Studium in der vorgesehen Zeit. "Hier haben sich Bafög und studentische Lebenswirklichkeit entkoppelt." Bafög müsse deshalb auch ein oder zwei Semester über die Regelstudienzeit hinaus gezahlt werden, Altersgrenzen gehörten abgeschafft.

2017 erhielten in Deutschland rund 557.000 Studenten die staatliche Unterstützung. Das sind laut Meyer von der Heide rund 18 Prozent aller Studenten im Land. In Sachsen-Anhalt sei das Verhältnis ähnlich, sagte die Geschäftsführerin des Studentenwerkes Magdeburg, Jutta Vaihinger. Neben Verbesserungen beim Bafög sprach sie sich auch für mehr Investitionen in den Bau von Wohnheimen aus. "So günstig wie in den Wohnheimen gewohnt werden kann, das finden Sie auf dem freien Wohnungsmarkt gar nicht", sagte Vaihinger.