Bitterfeld-Wolfen (dpa/sa) - Nach dem neuerlichen Vorstoß des sachsen-anhaltischen CDU-Fraktionsvize Lars-Jörn Zimmer zur AfD gehen weitere Parteifreunde auf Distanz. Der Bundestagsabgeordnete Kees de Vries kündigte mit sofortiger Wirkung seine Bürogemeinschaft mit Zimmer in Bitterfeld-Wolfen auf. Das sei ein längst überfälliger Schritt, sagte de Vries am Dienstag laut Mitteilung. "Es ist sehr schade, dass Lars-Jörn Zimmer seine persönlichen Interessen ganz offensichtlich vor jene der CDU Sachsen-Anhalt stellt." In diesen Tagen sei es wichtig, gemeinsam erarbeitete Beschlüsse nicht nur auszuhalten, sondern den Bürgern im Wahlkreis zu erklären.

Damit reagierte de Vries auf Zimmers Äußerungen beim ZDF-Magazin "Berlin direkt" vom Sonntag, wonach eine CDU-Minderheitsregierung denkbar sei. "Ich kann keine 25 Prozent der Wählerinnen und Wähler einfach vor den Kopf stoßen und sagen, mit euren Vertretern rede ich nicht." In Sachsen-Anhalt sitzt die AfD mit 25 Prozent der Stimmen im Landtag.

In der Vergangenheit war Zimmer als Mitverfasser eines Papiers aufgefallen, laut dem es gelingen müsse, "das Soziale wieder mit dem Nationalen zu versöhnen". Er gilt wie sein Fraktionsvize-Kollege Ulrich Thomas als Verfechter, eine Zusammenarbeit mit der AfD künftig nicht mehr auszuschließen. Landes- wie Bundes-CDU lehnen das ab.

Fraktionschef Siegfried Borgwardt distanzierte sich von Zimmers neuem Vorstoß und erklärte, es handele sich um dessen persönliche Meinung. CDU-Landeschef Holger Stahlknecht verlangte von Zimmer, sich an die Parteilinie zu halten oder Konsequenzen zu ziehen. Zimmer ist neben CDU-Fraktionsvize im Landtag auch Beisitzer im Landesvorstand.