Magdeburg (dpa/sa) - Einen Monat nach dem Start eines Volksbegehrens gegen den Lehrermangel sind bei den Organisatoren schon mehrere Tausend Unterschriften für das Anliegen eingegangen. Die ersten Unterstützerbögen lägen ausgefüllt in den Sammelstellen, sagte GEW-Landeschefin Eva Gerth. Das Volksbegehren wird von einem Bündnis aus Lehrergewerkschaft GEW, der Linken sowie Vertretern von Eltern und Schülern getragen. Ziel ist es, einen gesetzlichen Personalschlüssel für Lehrkräfte, Schulsozialarbeiterinnen und pädagogische Mitarbeiter durchzusetzen.

Wie viele Unterstützer es bisher genau sind, will das Bündnis Mitte Februar auszählen. Die Unterschriftensammlungen laufen laut Gerth ununterbrochen weiter und werden durch Infoveranstaltungen im ganzen Land ergänzt.

Anders als bisher könnten die Schulbehörden die Personalstärke an Schulen nicht mehr selbstständig ändern und den Druck auf die vorhandenen Lehrkräfte erhöhen, begründete Gerth die Intention. Nur der Landtag könnte das entsprechende Gesetz ändern. Damit solle die Transparenz erhöht und der tatsächliche Mangel an Pädagoginnen und Pädagogen in den Schulen sichtbar gemacht werden, begründete Gerth.

Wenn die Organisatoren gut 163 000 gültige Unterschriften sammeln, kommt entsprechender Gesetzentwurf in den Landtag. Gesammelt wird seit dem 7. Januar. Die Frist endet Anfang Juli. Die Abgeordneten können den Vorschlag unverändert annehmen oder eine alternative Fassung ausarbeiten. In letztem Fall können alle Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt über den aus ihrer Sicht besseren Gesetzentwurf per Volksentscheid abstimmen.

Nach den ersten vier Wochen zog GEW-Chefin Gerth ein positives Fazit: Die Unterstützungsangebote rissen nicht ab, sagte sie. Vor allem Eltern meldeten sich aus allen Ecken Sachsen-Anhalts, um Unterschriftenbogen anzufordern und das Begehren zu unterstützen. "Das Bündnis ist bisher sehr zufrieden."

Sachsen-Anhalt sucht seit einigen Jahren deutlich mehr Lehrkräfte, konnte in der Vergangenheit aber wiederholt nicht alle Stellen besetzen. Der Bedarf ist im Land besonders hoch, da hier über Jahrzehnte kaum neue Kolleginnen und Kollegen eingestellt wurden und der Altersdurchschnitt vergleichsweise hoch ist. Zudem stieg zuletzt die Zahl der Schülerinnen und Schüler wieder an. Rechnerisch müssen bis 2030 jedes Jahr mehr als 730 Lehrerinnen und Lehrer gefunden werden. Gelingt das nicht, fallen Stunden aus, mitunter werden einzelne Fächer monatelang nicht oder nur eingeschränkt unterrichtet.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) begrüßte das Engagement des Bündnisses, meldete aber auch Bedenken an. Er betonte wiederholt, dass es nicht an Stellen für Pädagoginnen und Pädagogen fehle, sondern an geeigneten Bewerbern. GEW-Chefin Gerth wiegelte ab: "Dass wir bei einem Erfolg des Volksbegehrens nicht sofort den Lehrermangel beenden können, ist allen klar." Doch es würden verbindliche Personalstärken verankert und die Transparenz erhöht.

Bündnis "Den Mangel beenden - Unseren Kindern Zukunft geben"

Anliegen des Volksbegehrens