Halle/Naumburg (dpa/sa) - Soll die Uniklinik Halle als Gesellschafter beim insolventen Burgenlandklinikum einsteigen? Diese Frage wurde seit Wochen landesweit hitzig diskutiert. Während einige, wie Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD), das für eine gute Idee hielten, um eine gemischte Eigentümerstruktur der Krankenhäuser im Land zu erhalten, füchteten andere, wie Finanzminister Michael Richter (CDU), dass dieser Einstieg nur der Anfang einer Reihe von Krankenhausrettungen durch die beiden Unikliniken werden könnte.

Jetzt hat die Uniklinik selbst die Debatte beendet: Sie zog sich aus dem Bieterrennen um das bisher kommunale Krankenhaus zurück. Der Vorstand habe ihn am Donnerstagnachmittag über den Rückzug informiert, sagte der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), am späten Abend. Der Kreis als bisheriger Gesellschafter hatte zuvor ein gemeinsames Angebot mit der Uniklinik für den Weiterbetrieb der Krankenhäuser in Naumburg und Zeitz abgegeben.

"Nach sorgfältiger Bewertung der Risiken wollen wir das Projekt nicht weiterverfolgen", begründete der Vorstandschef der Uni-Klinik, Thomas Moesta, in der "Mitteldeutschen Zeitung" (Freitag) die Entscheidung. Laut Bericht hatten Wirtschaftsprüfer die Zahlen des insolventen kommunalen Klinikums analysiert. Im Ergebnis seien die Risiken für das Uni-Klinikum zu hoch, sagte Moesta dem Blatt weiter.

Mit dieser Entscheidung ist auch der Burgenlandkreis als bisheriger Alleineigentümer aus dem Rennen. Der Kreis sei auf einen Partner angewiesen, sagte Landrat Ulrich. Wenn die Kommune die nötigen Beträge allein hätte aufbringen können, wäre es gar nicht zur Insolvenz gekommen. Das Burgenlandklinikum mit 1500 Beschäftigten hatte im September Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Seither läuft die Suche nach einem neuen Geldgeber.

Anfang Dezember war bekannt geworden, dass die Uniklinik und der Landkreis ein gemeinsames Angebot abgegeben haben. Die Idee dafür sei einst von der Uniklinik gekommen, sagte Ulrich weiter. "Ich halte sie nach wie vor für charmant." Das Land habe eine Mitverantwortung für die medizinische Grundversorgung und könne sich davon auch nicht zurückziehen.

Zahlreiche Landespolitiker, darunter Gesundheitsministerin Grimm-Benne, hatten die Option begrüßt. Sie sprach sich gegen weitere Privatisierungen der wenigen verbliebenen kommunalen Krankenhäuser aus. Ein gemeinsames Angebot von Uniklinik und Kreis galt als einzige Möglichkeit, das Burgenlandklinikum in öffentlicher Hand zu halten.

Wer künftig die Geschicke leiten wird, ist offen. Die Entscheidung treffen die Gläubiger. Ende Januar soll der Gläubigerausschuss das beste Angebot auswählen. Nach früheren Angaben von Sachwalter Lucas Flöther sind mehrere Interessenten im Rennen. Namen nannte er mit Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht nicht.

Die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet, dass zwei Bieter übrig sind: Der SRH-Konzern mit Sitz in Heidelberg als frei-gemeinnütziger Träger, der unter anderem das Wald-Klinikum im ostthüringischen Gera betreibt. Und der Ameos-Konzern, der wegen seines Umgangs mit dem Personal an mehreren Standorten im Land heftig in der Kritik steht.

Der Ausgang des Verfahrens wird auch nach dem Ausstieg der Uniklinik genau beäugt: Mehrere Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt sind finanziell angeschlagen. Zuletzt appellierte Gesundheitsministerin Grimm-Benne dafür, dass die kommunalen Häuser eine gemeinsame Dachlösung, etwa eine Holding, diskutieren oder über Fusionen nachdenken müssten.

Aus Sicht des Chefs der sachsen-anhaltischen Barmer-Versicherung, Axel Wiedemann, müssen die Diskussionen noch weiter gehen: "Kooperationen können nicht nur die Krankenhauslandschaft allein meinen", sagte er. "Niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser müssen sich gemeinsam Gedanken machen, wie die künftige Gesundheitsversorgung aussehen kann."

Bericht der Mitteldeutschen Zeitung