Magdeburg (dpa) - Das Lächeln und die Kampfansage von Yoan Pablo Hernandez wirkten gequält. Kaum hatte sich der Deutsch-Kubaner nach der zweiten K.o.-Niederlage seiner Karriere am Samstag vom Ringboden auf der Magdeburger Seebühne erhoben, kündigte der 35-Jährige weitere Kämpfe an. "Eine Niederlage macht nichts aus, da kann man weitermachen", stammelte der vor fünf Jahren als ungeschlagener Weltmeister im Cruisergewicht wegen zahlreicher Verletzungen zurückgetretene Boxer. Allein die Art und Weise, wie Hernandez bei seinem Comeback vom Amerikaner Kevin Johnson beherrscht wurde, lassen Zweifel an der Sinnhaftigkeit weiterer Duelle aufkommen.

Der als "Comeback des Jahres" angekündigte Wiedereinstieg des einstigen, von Meistermacher Uli Wegner betreuten, Box-Idols wurde zum Reinfall des Jahres. Und Hernandez' früherer Trainer und väterlicher Freund musste mit 1000 weiteren Zuschauern voller Entsetzen mit ansehen, wie Hernandez demontiert wurde. Dabei war Johnson alles andere als ein übermächtiger Kontrahent. Der 40-Jährige, mittlerweile in Gelsenkirchen zu Hause, musste nur warten, bis Hernandez Konditions- und Kraftprobleme bekam, um ihn dann wirkungsvoll zu bearbeiten. Als der für den Boxclub Stendal kämpfende Hernandez in der vierten Runde erstmals zu Boden ging, war auch das vorzeitige Ende schon absehbar. In Runde sieben war es dann soweit. "Wir wussten vor dem Kampf nicht, wo wir stehen. Das war ein Test. Es ist schön, dass er es versucht hat", resümierte Trainer Christoph Schlender.

Die Ursachen für die nicht geplante Niederlage waren offensichtlich. Ein halbes Jahr Training reicht nicht, um nach fünfjähriger Pause Kondition und Kraft aufzubauen - schon gar nicht für das Schwergewicht. 105 Kilogramm sind zu wenig, um Gegner wie Johnson (116 kg) entscheidend zu bearbeiten. Beinarbeit, Ring- und Distanzgefühl muss man sich erst wieder erarbeiten, ehe man zum Kampf antritt und das Ziel ausgibt, künftig wieder um WM-Gürtel kämpfen zu wollen.

Während Johnson plötzlich wieder eine Perspektive für sich sieht und dabei einen 100 000-Dollar-Kampf in Russland in Aussicht hat, muss das Hernandez-Lager genau überlegen, wie es weitergeht. Derartig deprimierende Auftritte hat das Idol früherer Tage nicht verdient.

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