Magdeburg (dpa/sa) - Seit Tagen wird über die verschärften Corona-Regeln diskutiert, seit Montag sind sie auch in Sachsen-Anhalt in Kraft. Einen Monat lang sollen alle Menschen im Land die Kontakte untereinander reduzieren, um die Zahl der Neuansteckungen zu senken und eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern.

Wer am Montagmorgen durch die Innenstadt von Halle ging, konnte beobachten, dass sich die Passanten nahezu ausnahmslos an die von der Kommune verhängte Maskenpflicht hielten. Polizei und Ordnungskräfte seien verstärkt im Einsatz, um die Maskenpflicht zu kontrollieren, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Montag. Es werde im Einzelfall entschieden, ob jemand fahrlässig oder absichtlich gegen die Maskenpflicht verstoßen habe. In letzterem Fall müssen Sachsen-Anhalter neuerdings mit 50 Euro Bußgeld rechnen.

Halle hatte wegen gestiegener Fallzahlen eine Maskenpflicht in der viel frequentierten Innenstadt angeordnet. Laut Wiegand lag die Stadt mit mehr als 61 Infektionen je 100 000 Einwohnern und Woche am Montag wieder über der Schwelle für einen Hotspot.

Auch Magdeburg reißt weiterhin deutlich den Grenzwert von 50 Infektionen je 100 000 Einwohnern und Woche. Dort wollen Ordnungsamt und Polizei gemeinsam die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren, wie Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) in einem Interview mit dem Sender MDR Aktuell ankündigte. Dabei würden die Ordnungshüter zwar nicht wahllos an Haustüren klingeln und überprüfen, wie viele Menschen sich dahinter aufhalten. Wenn es aber Hinweise auf größere Partys mit mehr als den erlaubten zehn Teilnehmern aus zwei Hausständen gebe, würde ein Eingreifen überprüft.

In den vorigen zwei Wochen hatte sich das Coronavirus auch in Sachsen-Anhalt deutlich schneller ausgebreitet. Der Sieben-Tage-Wert pro 100 000 Einwohnern lag am Montag laut Gesundheitsministerium bei 56,04 und damit auch klar im roten Bereich. 101 weitere Nachweise des neuartigen Virus hat das Land seit Sonntag erfasst.

Bund und Länder hatten sich vorige Woche darauf verständigt, für den November das öffentliche Leben deutlich herunterzufahren, um die Pandemie einzudämmen. Deswegen dürfen zahlreiche Dienstleister, Freizeit- und Kultureinrichtungen nicht öffnen. Touristische Übernachtungen und Restaurantbesuche sind ebenso wenig erlaubt wie Treffen von mehr als zwei Haushalten. Schulen, Kitas, Friseure und Kosmetiker sowie Geschäfte bleiben jedoch - anders als im Frühjahr - offen.

Hotels und Gastronomen sehen sich nach wie vor zu Unrecht von den staatlichen Schließungsanordnungen betroffen, der Landeschef des Branchenverbands Dehoga, Michael Schmidt, riet seinen Kollegen jedoch von einer Klage gegen die Maßnahme ab. Hintergrund ist die Ankündigung des Bundes, allen von Schließungen betroffenen Betrieben und Selbstständigen bis zu 75 Prozent ihres Umsatzes aus dem November 2019 als Entschädigung zu zahlen.

Falls die Bundesmittel schnell und unbürokratisch ausgezahlt würden, könnte die Branche die vierwöchige Schließung verkraften, sagte Schmidt. "Wenn niemand reisen soll und es Kontaktbeschränkungen gibt, dann nutzt es auch nichts, aufzumachen." Daher sollten Hoteliers und Gastronomen genau überlegen, ob sie gegen die Anordnung vorgehen.

Zum Start der verschärften Regeln forderten die Landkreise, dass ihnen das Land schnellstmöglich eigenes Personal schickt, um in den Gesundheitsämtern bei der Bewältigung der Corona-Pandemie samt Kontaktverfolgung, Test- und Quarantäneanordnungen zu helfen. "Die Eindämmung der Pandemie hat allerhöchste Priorität. Hierbei dürfen die Landkreise nicht allein gelassen werden", sagte der Präsident des Landkreistags, Michael Ziche, der auch Landrat des Altmarkkreises Salzwedel ist, am Montag laut Mitteilung.

Anders als im Frühjahr deutet sich derzeit kein Engpass bei der Schutzausrüstung an. Das Land habe derzeit einen Vorrat von elf Millionen Mund-Nasen-Bedeckungen, darunter rund vier Millionen Filtermasken der Schutzklasse FFP2, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Damit würden unter anderem die Schulen im Land regelmäßig beliefert. In den vergangenen Tagen seien 100 000 Stück ausgeliefert worden, kommende Woche sollen 60 000 Masken folgen.

In den Schulen lief der Unterricht auch am ersten Tag der verschärften Corona-Maßnahmen weiterhin im Regelbetrieb mit täglichem Unterricht für alle Jahrgänge, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Es gebe bisher keine Hinweise darauf, dass eine einzelne Schule ein Infektionsherd gewesen ist, hieß es. Derzeit seien 63 und damit weniger als zehn Prozent der Schulen von Quarantäne-Anordnungen für Schülerinnen und Schüler betroffen.

Beitrag vom MDR