Stolberg/Wittenberg/Naumburg (dpa/sa) - Auch Backwarenhersteller in Sachsen-Anhalt leiden unter Corona-Einbußen, im Vergleich zu anderen ist die Branche aber krisensicher. "Café und Konditorei sind geschlossen, die Belieferung der Hoteliers und Gaststätten ist eingebrochen. Dafür hat sich der Online-Shop und Paketversand gut entwickelt", sagte Geschäftsführerin der Friwi-Werk Witte OHG (Stolberg/Harz), Nadja Witte. "Der Verkauf über die Lebensmittelhandel-Ketten läuft in der Vorweihnachtszeit ohne Einschränkungen."

Laut Witte sei beim Stollenbacken die Menge im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. "Das Ziel liegt wieder zwischen 12 000 und 15 000 Stollen", sagte die Geschäftsführerin. Derzeit sei niemand von den 30 Mitarbeitern aus der Belegschaft wegen der Pandemie entlassen worden. Im Frühjahr gab es für einige Kurzarbeit. Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, ist viel Arbeit vorhanden, da helfen die Mitarbeiter aus Konditorei und Café aus. "Im Moment gibt es keine Kurzarbeit, ich mache mir natürlich Sorgen, wenn die jetzige Situation länger anhält", sagte Witte. "Wenn die Maßnahmen verschärft werden, kann das Jahresziel nicht mehr erreichen werden." "Die Naumburg-Touristen fehlen. Auf dem Weg durch die Stadt sind sie ja an unserem Café vorbeigekommen und haben Stollen gekauft", sagte Inhaber und Bäckermeister Rolf Block von der Bäckerei & Konditorei Block in Klosterhäseler (Burgenlandkreis). "Im Moment sind es 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Dafür geht der Onlineshop wesentlich besser als in den letzten Jahren."

Der Plan sei, 5000 Stollen zu backen. Das Besondere: Statt Sultaninen kommen getrocknete Süßkirschen, die zuvor in 50-prozentigem Kirschwasser eingelegt wurden, in den Teig und statt mit Weizen wird mit weißem Dinkelmehl gebacken. Die Kirschen sollen an die Tradition des jährlichen Naumburger Hussiten-Kirschfestes erinnern und Dinkelmehl war damals weit verbreitet. Da das Café geschlossen sei, hülfen dessen Mitarbeiter in der Produktion, sagte Block. Aber 2021 müsse mit Kurzarbeit gerechnet werden.

Bei Wikana läuft es hingegen rund. "Unsere Produkte werden in der Zeit der Pandemie sehr gut nachgefragt. Wir haben also keinen Umsatzeinbruch, sondern eher einen Umsatzzuwachs von rund 10 Prozent", sagte die Geschäftsführerin der Wikana Keks und Nahrungsmittel GmbH in Wittenberg, Yvonne Böhm. "Der Renner ist nach wie vor unser Othello Keks und der runde Butterkeks." Bei der "Hamsterei" im Frühjahr sei Wikana mit der Abarbeitung der Bestellungen nicht nachgekommen, jetzt habe sich die Situation wieder normalisiert. Derzeit seien bei Wikana 182 Menschen beschäftigt. "Auf jeden Fall wollen wir im nächsten Jahr etwa zehn Mitarbeiter mehr einstellen, wir sehen ja, dass es mehr wird", sagte Böhm.

Das Café ist geschlossen, aber der Werksverkauf laufe gut. Auch der Online-Shop werde stärker genutzt. "Zwei neue Produkte, die eigentlich 2020 auf den Markt kommen sollten, werden im nächsten Jahr vorgestellt.", sagte die Geschäftsführerin. Was das sein werde, verriet Böhm nicht.

Wikana Keks und Nahrungsmittel GmbH

Friwi-Werk Witte OHG Frisch- und Dauerbackwaren

Bäckerei & Konditorei Block