Berlin (dpa) - Der letzte DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel hat das jahrelange, geheime Leben von RAF-Leuten in der DDR als einen der schwerwiegendsten politischen Fehler des Systems bezeichnet. Dafür habe es keine Berechtigung gegeben, sagte Diestel der Deutschen Presse-Agentur. "Das waren für mich Mörder, Brandschatzer - das waren einfach Kapitalverbrecher." Sie hätten aus politischer Überzeugung das Recht anderer auf Leben missachtet.

Vor 30 Jahren wurden zehn kampfesmüde Ex-Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF) in der DDR entdeckt und verhaftet, die zuvor unter Stasi-Schutz standen. Knapp sieben Monate nach dem Mauerfall flog als erste Susanne Albrecht am 6. Juni 1990 auf. Im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) sollen nur wenige von den Linksterroristen gewusst haben, die seit 1980 mit neuen Identitäten als DDR-Bürger lebten.

Als zuständiger Minister der ersten frei gewählten DDR-Regierung habe er einen Beitrag zur Verbrechensbekämpfung leisten wollen, betonte Diestel, der heute als Anwalt arbeitet. Die Zusammenarbeit mit westdeutschen Sicherheitsbehörden "zur Trockenlegung des terroristischen Sumpfes" sei konstruktiv und erfolgreich gewesen, so der heute 68-Jährige, der zunächst der DSU (Deutsche Soziale Union) angehörte und danach CDU-Mitglied wurde.