Magdeburg (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt haben in den vergangenen fünf Jahren fast 100 Briten die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Das teilte das Innenministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Demnach ließen sich seit 2016, dem Jahr der Brexit-Entscheidung, 94 Britinnen und Briten einbürgern. Mehr als die Hälfte von ihnen, nämlich 54, bekamen 2019 den deutschen Pass. Von Januar bis September 2020 ließen sich noch zwölf Briten einbürgern. Zur gleichen Zeit lebten laut Ministerium 360 Männer und Frauen aus Großbritannien in Sachsen-Anhalt. EU-Bürger können bei einer Einbürgerung meist auch ihre andere Staatsbürgerschaft behalten.

Im Jahr 2016 hatten die Briten in einem Referendum knapp für einen Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Bereits Ende Januar 2020 wurde dieser Schritt vollzogen, allerdings sicherte eine Übergangsregelung, dass sich bis Jahresende rechtlich wenig änderte. Seit dem 1. Januar 2021 ist Großbritannien allerdings nicht mehr Teil des EU-Binnenmarkts und der Zollunion.

Lange wurde befürchtet, dass es zu einem sogenannten harten Brexit ohne ein Abkommen für die künftige Zusammenarbeit kommt. Wenige Tage vor dem Jahreswechsel einigten sich EU und Großbritannien jedoch doch noch auf einen mehr als 1200 Seiten dicken Vertrag.

Da lange unklar war, ob die liberalen Regeln zur Freizügigkeit auch nach dem Brexit gelten, beantragten viele Briten, die im EU-Ausland lebten, den dortigen Pass. Bundesweit wie in Sachsen-Anhalt war das Interesse im Jahr vor dem Brexit am größten: Laut Statistischem Bundesamt bekamen 2019 rund 14 600 Briten einen deutschen Pass. Das waren mehr als 2018 (6600 Einbürgerungen) und 2017 (7500) zusammen.