Magdeburg (dpa/sa) - Die Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt haben nach Ansicht von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, ihre Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu lassen. "Wir haben im Bereich des Homeoffice noch erhebliche Potenziale, die wir heben können, um die Infektionszahlen nach unten zu bekommen", sagte der Ministerpräsident am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in Magdeburg.

Aktuelle Nachverfolgungen der Infektionen hätten gezeigt, dass "gerade auch in den Betriebsstätten mehr vorkommt, als wir bisher auf dem Schirm hatten", sagte der Regierungschef. Durch unvorsichtiges Verhalten, etwa Gruppenbildung in den Pausen, sei es dort zu einigen Ansteckungen gekommen. Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt habe anerkannt, dass es noch Handlungsbedarf gebe, lobte Haseloff. Das habe eine Selbstverpflichtung der Wirtschaftskammern gezeigt.

Ein Bundesgesetz zum Thema sei nicht nötig. Stattdessen hätten sich Bund und Länder darauf verständigt, durch die Änderung einer Bundesverordnung zum Arbeitsschutz "dort noch etwas an Bewegung hinein zu bekommen", sagte Haseloff. Die Formulierung einer "Homeoffice-Pflicht" vermied der Ministerpräsident - anders als das Bundesarbeitsministerium. Das spricht in den Erläuterungen zu der Verordnung, die Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) dem Bundeskabinett vorlegte, von einer "Pflicht", Homeoffice anzubieten, "soweit dies nach den betrieblichen Gegebenheiten möglich ist".

Hintergrund der vorsichtigen Formulierung Haseloffs könnte ein Streit über das Thema in der Regierungskoalition aus CDU, SPD und Grünen gewesen sein. SPD und Grüne hatten vorige Woche kritisiert, dass die Arbeitgeber ihre Möglichkeiten nicht voll ausschöpften und eine gesetzliche Regelung gefordert. Die Darstellung der Koalitionspartner und die Forderungen nach einer Regelung seien "so falsch wie unredlich", hatte die CDU-Fraktion im Landtag kritisiert und betont, dass sich die Wirtschaft vorbildlich verhalte.