Magdeburg (dpa/sa) - Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, hat sich mit der Partnerkirche in Belarus solidarisiert. "Mit großer Sorge verfolgen wir die aktuellen Entwicklungen in Belarus", schrieb Kramer in einem Brief an Pfarrer Wladimir Tatarnikow am Mittwoch. "Ihr Vaterland ist seit Wochen in Aufruhr", hieß es darin weiter. Die friedlichen Demonstrationen gegen Gewalt in Weißrussland blieben nicht verborgen und würden die Herzen hierzulande bewegen. "Wir begrüßen ausdrücklich das Glockenläuten der Kirchen, um zu Gewaltlosigkeit aufzufordern."

Um in Gefahr geratene Menschen in Belarus zu schützen, müssten die Gotteshäuser in Weißrussland weiter geöffnet bleiben. "Offene Kirchen waren während der Friedlichen Revolution 1989 in unserem Land ein klares Zeichen an die Demonstrierenden, an die Machthabenden und in die Welt hinein", so Kramer mit Blick auf die Ereignisse in der DDR vor rund 30 Jahren. Zudem sprach sich der Landesbischof für die demokratische Meinungsvielfalt in Belarus aus.

Die EKM pflegt den Angaben zufolge seit Jahren partnerschaftliche Beziehungen zu den Lutherischen Gemeinden in Belarus. In dem überwiegend orthodox geprägtem Land bildeten diese Gemeinden eine Minderheit.

In dem Land mit rund neun Millionen Einwohnern protestieren seit der Präsidentschaftswahl Anfang August vor allem an Sonntagen Zehntausende gegen Machthaber Alexander Lukaschenko. Dieser hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Die Opposition sieht dagegen die in die EU geflohene Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als wahre Gewinnerin an.