Magdeburg (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt wurden in den vergangenen Wochen deutlich weniger Corona-Infektionen gemeldet, jetzt sollen auch systematische Tests dabei helfen, eine neuerliche Ausbreitung zu verhindern. Das kündigte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Donnerstag im Magdeburger Landtag an. "Ziel ist zu verhindern, dass Infektionsherde entstehen, die zu einer starken zweiten Welle der Krankheit im Land führen könnten", sagte sie. Genügend Testkapazitäten stünden zur Verfügung. Besonders im Fokus: Seniorinnen und Senioren sowie Kinder. Die Strategie startet parallel zu den deutlichen Lockerungen der Corona-Beschränkungen.

Bisher wurden Menschen getestet, die typische Symptome einer Atemwegserkrankung zeigten und aus Risikogebieten kamen oder Kontakt zu nachweislich Infizierten hatten. Jetzt empfiehlt das Ministerium, den Kreis der Testpersonen deutlich auszuweiten. So sollen Menschen mit Atemwegserkrankungen prinzipiell auf das Virus getestet werden, ebenso Reiserückkehrer und Kontaktpersonen ohne Symptome.

Wer aufgrund von Vorerkrankungen ein besonderes Risiko hat, schwer an Covid-19 zu erkranken, soll auch bei unspezifischen Symptomen auf den Erreger untersucht werden. Ende April hatte bereits die Bundesregierung beschlossen, die Tests systematisch auf Menschen ohne Symptome und Pflegeeinrichtungen auszuweiten. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Zuvor hatte etwa Halle bereits systematisch Personal in Pflegeeinrichtungen auf das Coronavirus testen lassen. Angaben von Amtsärztin Christine Gröger zufolge sind bereits rund zwei Drittel der gut 3000 Bewohnerinnen und Bewohnern getestet worden. 3,9 Prozent der Tests seien positiv gewesen. Auch einige andere Einrichtungen setzten sicherheitshalber bereits selbst auf systematische Sars-CoV-2-Tests. Die Uniklinik Magdeburg gab nach eigenen Angaben zuletzt fast 71 000 Euro pro Woche aus, um Personal und Patienten zu testen und ungewollte Ansteckungen zu verhindern.

Jetzt wird diese Praxis zur landesweiten Empfehlung, denn ein besonderer Fokus liegt auf Patienten, Bewohnern und Beschäftigten in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeheimen sowie Gemeinschaftsunterkünften. Auch Sachsen-Anhalter in Regionen, in denen sich Infektionsfälle häufen, sollen verstärkt getestet werden.

Zudem soll das Infektionsgeschehen systematischer erfasst werden. Zuletzt gab es besonders problematische Ausbrüche in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Deswegen soll es laut Gesundheitsministerium künftig repräsentative wöchentliche Stichproben bei Pflegeheim-Bewohnern und Beschäftigten in Kliniken und Pflegeheimen geben, vor allem bei jenen, die Covid-19-Erkrankte betreuen. Zudem sollen Corona-Tests auch Bestandteil der regulären Untersuchungen vor der Einschulung sowie bei Kinder-Vorsorgeuntersuchungen werden.

Konsequentes Testen und Nachverfolgen von Infektionsketten gilt als wichtigste Strategie, um die Ausbreitung einer Pandemie einzudämmen. Wer positiv getestet wird, muss in Quarantäne isoliert werden, um die Ansteckungsgefahr für weitere Menschen zu minimieren. Damit sich das Virus nicht rasant ausbreitet, müssen die Behörden möglichst lückenlos wissen, wer infiziert ist. Sollten sie diese Kontrolle verlieren und die Fallzahlen wieder schnell steigen, müssten neue Beschränkungen verhängt werden. Bund und Länder hatten sich am Mittwoch darauf geeinigt, dass diese Verschärfungen spätestens bei 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in einer Region greifen soll.

Im Gegenzug werden zahlreiche strenge Corona-Regeln gelockert: Schulen und Kitas sollen schrittweise den Betrieb wieder aufnehmen, Breitensport in Kleingruppen ist möglich, Friseure und Läden sind offen, Spielplätze ab Freitag in Sachsen-Anhalt wieder freigegeben und zeitnah sollen auch Gastwirte und Hoteliers wieder öffnen können.

Zudem lockert Sachsen-Anhalt am Montag das seit Wochen geltende strenge Besuchsverbot in Pflegeeinrichtungen: Heimbewohner dürfen einen Besucher pro Tag für eine Stunde empfangen. Bedingung: Die Besucher tragen einen Mund-Nasen-Schutz, der von der Einrichtung gestellt wird, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Das Land verteilt derzeit Schutzausrüstung, um diese Bedingung sicherzustellen. Die ambulanten Einrichtungen erhalten laut Ministerium je 600 Filtermasken vom Typ FFP2 sowie 2000 OP-Masken. Bei den stationären Einrichtungen richtet die Menge nach der Größe der Einrichtungen. "Damit können die Pflegeheime auch Masken an Besucherinnen und Besucher ausgeben", so Grimm-Benne.

Mitteilung des Gesundheitsministeriums zu Testreihen