Halle (dpa/sa) - Im Kunstmuseum Moritzburg in Halle haben momentan noch die Handwerker das Sagen. Sie richten eine 1100 Quadratmeter große Fläche für die neue Dauerausstellung her. "Moderne I" heißt sie und ist ab 9. September geöffnet. "Es ist das erste Mal in der Geschichte der Moritzburg, das wir auf einer adäquaten Fläche unsere eigenen Sammlungen präsentieren können", sagte Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich.

Bisher wurde ein Gutteil der Fläche durch die Bilder der Klassischen Moderne des Privatsammlers Hermann Gerlinger beansprucht. Seit er vor etlichen Monaten seine Sammlung aus Halle abgezogen hat, arbeitete die Museumsmannschaft an einem Konzept für die Ausstellung mit eigener hochkarätiger Kunst von 1900 bis 1945, - mit dabei herausragende Werke der legendären Künstler-Gruppen Brücke und Blauer Reiter.

"Das heißt, wir zeigen Kunst aus drei verschiedenen Gesellschaftssystemen - dem Kaiserreich, der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus", sagte Bauer-Friedrich. Die Art der Präsentation solle die Kunst in den gesellschaftlichen Kontext stellen. "Der Besucher soll nicht nur schauen, sondern auch etwas erfahren und einordnen können".

Gleiches gelte auch für die "Moderne II", die ca. im März 2018 folge. Sie basiere ebenfalls auf der eigenen Sammlung mit Werken von 1945 bis in die Gegenwart. Schwerpunkt werde die Kunst in der DDR sein. Das schließe die kritische Auseinandersetzung mit den sogenannten Staatskünstlern wie etwa Willi Sitte ebenso ein wie die Präsention von Oppositionellen, etwa A. R. Penck.

Die Gesamtpräsentation solle die Kunst- und Sammlungsgeschichte und die Geschichte des Hauses beleuchten: "Wo wir einmal waren und wo wir wieder hinwollen", sagte Bauer-Friedrich. Das Kunstmuseum Moritzburg galt als eines der deutschlandweit führenden Museen bei der Sammlung von Kunst der Moderne - bis die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Bei deren Aktion "Entartete Kunst" verlor das Haus einen Großteil seiner Bestände der Klassischen Moderne. Erklärtes Ziel ist es, die Moritzburg zu einem überregionalen Anziehungspunkt für Kunstfreunde aus dem In- und Ausland zu machen.

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