Magdeburg (dpa/sa) - Wer sind die größten Arbeitgeber im Land und wer setzt das meiste Geld um? Sachsen-Anhalts Wirtschaft ist geprägt vom Klein- und Mittelstand, doch einmal im Jahr wirft die Norddeutsche Landesbank einen Blick auf die größten 100 in Sachsen-Anhalt und die allgemeine wirtschaftliche Lage. Die wichtigsten Ergebnisse:

DIE GRÖSSTEN ARBEITGEBER: Bei den Top 100 beschäftigen Industriebetriebe mit Abstand die meisten Menschen. 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Branche. Jeder Vierte arbeitet für Dienstleister, jeder zehnte im Bergbau- und Energiesektor. Größter Arbeitgeber bleibt wie in den Vorjahren die Deutsche Bahn, die rund 7700 Menschen beschäftigt und damit gut 300 mehr als im Vorjahr. Dahinter folgen Deutsche Post (5100 Beschäftigte - wie im Vorjahr) sowie der Chemie-Riese Dow in Schkopau im Saalekreis (4700).

Doch auch der Gesundheitssektor ist ein großer Arbeitgeber: Die Ameos-Gruppe lag mit 3900 Beschäftigten noch vor der Uniklinik Magdeburg (2500), der Uniklinik Halle (3232) oder der Salus-Altmark-Holding (2800). Einen besonders großen Zuwachs verzeichnete der Sektriese Rotkäppchen aus Freyburg, der mit mehr als 900 Beschäftigten gut ein Drittel mehr verzeichnete als noch 2017.

DIE UMSATZRIESEN: Gerade für die umsatzstärksten Unternehmen in Sachsen-Anhalt lief das Jahr nach Einschätzung der NordLB sehr gut. Jene 92 Betriebe, die auch im Vorjahr Daten gemeldet hatten, verzeichneten zusammen ein Umsatzplus von 10 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten legte um 3 Prozent zu. Spitzenreiter bleibt die Total-Raffinerie in Leuna mit fast 6 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2018. Es folgt Dow (2,5 Milliarden Euro) vor der MKM Mansfelder Kupfer und Messing aus Hettstedt (rund 1,3 Milliarden Euro) und Rotkäppchen (1,18 Milliarden Euro).

DIE ALLGEMEINE LAGE: Die Daten der Top 100 sind nach Angaben der NordLB auch deshalb interessant, weil sie 14 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Jobs in Sachsen-Anhalt stellen und allgemeine Entwicklungen aufzeigen können. Gefragt nach ihren Erwartungen für das laufende Jahr, rechneten die Unternehmen demnach mit einem erneuten Umsatzwachstum von 4 Prozent, sagte NordLB-Volkswirt Christian Lips.

Allerdings planten die Betriebe der Rückmeldung zufolge auch, die Zahl der Beschäftigten etwas zurückzufahren. "Die Unternehmen sind trotz des recht heftigen konjunkturellen Gegenwinds weiterhin gut aufgestellt", sagte Lips. Neben einer anhaltenden Rezession in der Industrie müssten die Unternehmen auch den Strukturwandel durch die Digitalisierung bewältigen. Ein großes Risiko sei der Fachkräftemangel. Letzteres sei allerdings auch eine Erklärung, warum sich Arbeitsmarkt und Wirtschaft trotz der Delle in der Industrie so robust zeigten, sagte Lips weiter.

DIE RISIKEN: Aus Sicht der NordLB-Analysten muss bundesweit in die Infrastruktur investiert werden. Der Investitionsstau bei Kommunen, Ländern und Bund müsse dringend aufgelöst werden, sagte der NordLB-Analyst für die Regionalwirtschaft, Eberhard Brezski, am Donnerstag in Magdeburg. "Da darf die schwarze Null kein Dogma mehr sein." Neue Schulden seien dann sinnvoll, wenn damit Zukunftsinvestitionen angegangen werden.

Bereits jetzt gaben in einer Umfrage zwei Drittel der Unternehmen an, wegen schlechter Infrastruktur in ihrer Geschäftstätigkeit deutlich behindert zu sein, ergänzte NordLB-Chefvolkswirt Christian Lips. Neben Verkehrswegen betreffe das vor allem die Internetanbindung. Deutschland habe in diesem Bereich ein Jahrzehnt verschlafen.

Mitteilung der NordLB zu den größten Unternehmen