Halle/Mainz (dpa/sa) - Der Opferhilfeverein "Weisser Ring" hat im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt 68 Fälle zu sexualisierter Gewalt betreut. Das war nach eigenen Angaben jedes vierte, bei der Organisation bearbeitete Delikt. Viele Menschen würden nach einer sexualisierten Gewalterfahrung jedoch keine Hilfe aufsuchen, erklärte eine Sprecherin der Bundesgeschäftsstelle des "Weissen Rings" in Mainz. Den Schätzungen zufolge nimmt nur etwa jede fünfte, bundesweit von Gewalt betroffene Frau Hilfe bei einer Beratung an.

Allein die Außenstelle des "Weissen Rings" in Halle nahm sich im vergangenen Jahr 17 Fälle zu sexueller Gewalt an. Die Opfer seien "meist stark traumatisiert" gewesen, erklärte Hans-Jürgen Sack vom "Weissen Ring" in Halle. Viele benötigten psychologische Hilfe oder Rechtsberatungen. Der Opferhilfeverein biete Betroffenen neben persönlichen Gesprächen auch Infomaterial wie etwa die Broschüre "Intime Verbrechen - Hilfe bei sexualisierter Gewalt" an.

"Zu sexuellen Übergriffen zählen Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung und unterschiedliche Formen von sexueller Nötigung", erklärte Sack. Übergriffe könnten an verschiedenen Orten passieren - etwa auch am Arbeitsplatz. Auch in partnerschaftlichen Beziehungen gebe es Vorfälle.

Laut Bundesverein sind überwiegend Frauen von sexualisierter Gewalt betroffen. Aber auch Männer und Kinder könnten Opfer werden. Der "Weisse Ring" rät Betroffenen, unbedingt mit Vertrauenspersonen über das traumatische Gewaltereignis zu sprechen, ärztliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen oder sich Hilfe zu suchen. Den Angaben zufolge hat der "Weisse Ring" derzeit rund 400 Außenstellen, in denen etwa 2900 professionell ausgebildete Helfer und Helferinnen arbeiten.