Halle (dpa/sa) - Der Mann, der am Nikolausmorgen in Halle ein sechsjähriges Mädchen entführt und in die Saale geworfen haben soll, soll fachärztlich begutachtet werden. Es gehe um die Frage, ob der Verdächtige schuldfähig sei, sagte Staatsanwalt Klaus Wiechmann am Dienstag. Ein entsprechender Antrag sei bereits gestellt worden. Es gebe auch schon einen möglichen Gutachter. Der 24-Jährige sitzt seit einigen Tagen in U-Haft. Bislang hüllt er sich in Schweigen zu den Vorwürfen.

Den Ermittlungen zufolge war die Sechsjährige am 6. Dezember gegen 7.30 Uhr noch in der Familienwohnung gesehen worden. Als ihr Verschwinden auffiel, wurde das sie als vermisst gemeldet. Der Verdächtige soll das Kind überwiegend auf dem Arm durch Halles Innenstadt getragen haben. Das Mädchen war bei den kühlen Temperaturen nur mit einem Schlafanzug bekleidet.

Gegen 8.30 Uhr war das Kind von zwei Joggern in der Saale gefunden und herausgezogen worden. Das Mädchen kam anschließend in ein Krankenhaus. Zum Schutz des Kindes und der Familie könnten keine weiteren Angaben zum Zustand der Sechsjährigen gemacht werden, wie Wiechmann am Dienstag erklärte. Dem Verdächtigen werde versuchter Mord zur Vertuschung einer Straftat, Menschenraub und sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen.

Am vergangenen Freitag hatte die Polizei den Verdächtigen an seinem Arbeitsplatz gestellt. Nach der Fahndung mit einem Phantombild seien zahlreiche Hinweise eingegangen. Auch Aufzeichnungen von Überwachungskameras führten auf die Spur des Mannes. Eine neunköpfige Ermittlungsgruppe mit dem Namen "Elsa" hatte sich zuvor intensiv mit dem Fall beschäftigt.