Halberstadt (dpa/sa) - Das kurze Video von einem Vorfall zwischen Sicherheitsleuten und Asylbewerbern hatte im Sommer 2019 hohe Wellen geschlagen. Nun hat das Amtsgericht Halberstadt einen 44 Jahre alten ehemaligen Sicherheitsmann wegen Körperverletzung verwarnt. Seine beiden ehemaligen Kollegen wurden vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Um Misshandlungen habe es sich in keinem Fall gehandelt, betonte Richterin Brit Wischwill.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Männer angeklagt, weil sie bei einer Einlasskontrolle in der Zentralen Aufnahmestelle in Halberstadt am 13. April 2019 einen Bewohner geschlagen und getreten haben sollen. Das Video war erst im August im Internet aufgetaucht. Der damalige Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) kündigte umfassende Aufklärung an, die Sicherheitsleute verloren ihren Job.

Richterin Wischwill sagte, die drei Männer seien damals ihrem Auftrag nachgekommen, und hätten dafür sorgen wollen, dass der Mann sich ausweist, sie hätten kein anderes Motiv gehabt. Der Bewohner der Asylunterkunft sei aggressiv und "rotzig" aufgetreten, habe sich nicht im Griff gehabt und sei betrunken gewesen. Es sei besondere Vorsicht im Umgang mit dem Mann geboten gewesen.

Die Reaktion des 44-Jährigen, der selbst einen dosierten Tritt und auch einen Schlag zugegeben hatte, sei nicht angemessen gewesen und "objektiv zu viel". Dass der Asylbewerber mit dem Arm ausholte und ein Steinwurf gedroht haben könnte, sei auf dem Video nicht zu sehen, sagte die Richterin. Der 44-Jährige hatte angegeben, er habe sich bedroht gefühlt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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