Magdeburg/Offenbach (dpa/sa) - Kein Zug, kein Strom - dafür jede Menge Arbeit: Sturmtief "Sabine" ist mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 171 Kilometern pro Stunde über Sachsen-Anhalt gefegt. Betroffen waren verschiedene Landesteile, vor allem der Landkreis Harz. Leitstellen hatten vorsorglich mehr Personal im Einsatz, um im Notfall schneller reagieren und koordinieren zu können.

Die Feuerwehr rückte den Angaben nach Hunderte Male aus, um Straßen von umgestürzten Bäumen und abgeknickten Ästen zu befreien. Es kam zu Unfällen, die laut Polizei meist glimpflich ausgingen. In Rochau (Landkreis Stendal) wurden ein 18 Jahre alter Fahranfänger sowie zwei Frauen im Alter von 75 und 22, ein vierjähriges Kind und ein Monate altes Baby verletzt. Das Auto, in dem die fünf Menschen waren, geriet den Angaben nach in der Nacht zum Montag durch eine Windböe von der Bundesstraße 189 ab, streifte ein Schild und einen Baum.

Im Harz fuhr eine junge Autofahrerin mit ihrem Wagen gegen einen Baum, der auf einer Straße lag. "Eigentlich war die Straße aufgrund der Orkanböen gesperrt", teilte die Polizei mit. Jedoch seien auch die Sperrschilder durch die starken Windböen umgestoßen worden. Die 21-Jährige habe die Sperrung nicht sehen können. Die Frau wurde leicht verletzt. Im Altmarkkreis Salzwedel fuhr ein 53-Jähriger nach Angaben der Polizei mit einem Auto gegen einen Baum, der auf einer Landstraße lag. Der Mann kam mit dem Schrecken davon.

Die Gefahr scheint in Sachsen-Anhalt jedoch noch nicht gänzlich vorbei. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet bis Mittwoch mit weiteren Unwettern, Orkanböen, Regen und Schneeschauern. Auf dem Brocken brachte es "Sabine" in Böen auf Geschwindigkeiten von bis zu 171 Kilometer je Stunde. Der Wert wurde am Montagmorgen um 4.00 Uhr auf dem Gipfel gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte. "Sabine" ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie "Kyrill" (2007) oder "Lothar" (1999) sollte "Sabine" aber nicht werden.

Unterdessen sind landesweit Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks (THW), Mitarbeiter von Stromversorgern und Stadtwerken im Dauereinsatz, um Schäden zu beseitigen, wie Sprecher mitteilten. Die Nationalparkverwaltung Harz warnte die Menschen dringend davor, in den nächsten Tagen die Wälder zu betreten. Es bestehe eine akute Gefahr für Leib und Leben, da weiterhin Äste herunterfallen oder bereits geschädigte Bäume entwurzelt werden könnten, teilte ein Sprecher mit.

"Wir haben grundsätzlich Glück gehabt", teilte Robert Pulz, Abteilungsleiter für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst in Halle mit. Es habe keine Verletzten bei den insgesamt neun Einsätzen gegeben. Neben losen Bauteilen und einem abgedeckten Dach mussten sich die Helfer um umgestürzte Bäume kümmern.

In Wernigerode wurden nach Angaben einer Sprecherin der Stadt Windgeschwindigkeiten von bis zu 126 Kilometern pro Stunde gemessen. Aus Sicherheitsgründen waren der Kurpark der Harzstadt und die Schierker Arena vorübergehend für Besucher gesperrt. Orkanartige Böen sorgten unterdessen landesweit dafür, dass Bäume umstürzten, abgebrochene Äste Straßen und Gleise blockierten, Dächer und Leitungen beschädigt wurden.

Im Zugverkehr kam es zu Ausfällen und Verspätungen. Die Harzer Schmalspurbahnen fuhren nicht mehr. Bei der Deutschen Bahn und beim Zugunternehmen Abellio lief der Betrieb im Fern- und Nahverkehr unterdessen nach Unternehmensangaben zu Wochenbeginn auf fast allen Strecken wieder an. Reisende müssten sich aber weiter in Geduld üben und Einschränkungen hinnehmen, da Züge aus Sicherheitsgründen langsamer führen, bis alle Sturmschäden behoben seien. Ersatzweise verkehrten Busse.

Mitteilung der Harzer Schmalspurbahnen zum geänderten Fahrplan

Verkehrswarndienst mit aktuellen Behinderungen in Sachsen-Anhalt

Verkehrsmeldungen der Deutschen Bahn via Twitter

Störungsmeldungen der Deutschen Bahn