Magdeburg (dpa) - Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle haben nach der Bundesanwaltschaft auch erste Überlebende und deren Anwälte ihre Schlussvorträge gehalten. Am 23. Prozesstag am heutigen Mittwoch sollen weitere Betroffene plädieren. Die Anklage hatte für den Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Dem hatten sich am Dienstag unter anderem die Anwälte der Eltern des getöteten Kevin S. im Wesentlichen angeschlossen.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein Terrorist versucht, 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Er scheiterte an der massiven Tür, erschoss daraufhin die Passantin Jana L. und später in einem Döner-Imbiss Kevin S.. Auf der anschließenden Flucht verletzte er weitere Menschen. Der Prozess läuft seit Juli vor dem Oberlandesgericht (OLG) Naumburg, aus Platzgründen findet er jedoch in Magdeburg statt. Der 28-jährige Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Verschwörungstheorien begründet.

45 Überlebende und Hinterbliebene haben sich der Anklage als Nebenkläger angeschlossen. Sie werden von 21 Anwälten vertreten, ergriffen sowohl während des Prozesses als auch während der Schlussvorträge jedoch mehrmals selbst das Wort. Die persönlichen Schilderungen der Menschen hatten zu zahlreichen emotionalen und beeindruckenden Momenten geführt.