Magdeburg (dpa/sa) - Suchtberater in Sachsen-Anhalt sind im Corona-Jahr 2020 voll ausgelastet gewesen. "Nach einer Art Schockstarre im ersten Lockdown im März hatten die Suchtberatungsstellen mehr zu tun denn je", sagte die Leiterin der Landesstelle für Suchtfragen, Helga Meeßen-Hühne, in Magdeburg. Wegen der Corona-Pandemie mussten die Berater mehr Anfragen beantworten als vor der Krise. Zudem mussten sie neue Wege der Beratung und Betreuung gehen.

"Das Jahr war für alle eine Herausforderung", sagte Meeßen-Hühne. Bei einigen Menschen mit Suchtproblemen verschlimmerte sich demnach das Konsumverhalten, da sie gezwungenermaßen isoliert und vereinsamt waren - oder weil den Betroffenen wegen der Kontakt-Beschränkungen feste Ankerpunkte im Leben, wie Selbsthilfegruppen, weggebrochen sind. Andere mit vormals nur normalem Freizeitkonsum verloren im Homeoffice oder durch Arbeitslosigkeit die Kontrolle, häufig auch begleitet durch Stress mit Familie in beengter Wohnung.

Die Folge: Der Beratungsbedarf in den Anlaufstellen stieg weiter. Genaue Zahlen konnten zunächst noch nicht genannt werden. 2019 kamen etwa 10 000 Menschen mit Suchtproblemen auf die Anlaufstellen zu - davon 5500 Menschen mit Alkoholproblemen.

Parallel zu den gestiegenen Anfragen mussten die Berater binnen kurzer Zeit neue Wege finden, um Kontakt zu den Hilfesuchenden zu halten, wie Meeßen-Hühne erklärte. Denn wegen der Kontakt-Beschränkungen waren zeitweise keine persönlichen Beratungen möglich. Die Stellen rüsteten teilweise ihre technischen Hilfsmittel auf, boten Video-Telefonie und Kontakt per E-Mail an.

Coronabedingt mussten einige Menschen mit Suchtproblemen aber auch länger auf Beratungen warten. "Wartezeiten sind Verdrängungszeiten", sagte Meeßen-Hühne. Die Sucht könne sich dadurch verschlimmern. Zudem falle es vielen Betroffenen schwer, sich zu einem zweiten Anlauf durchzuringen und die Stellen später aufzusuchen.

Derzeit gebe es 67 Vollzeitstellen im Land, sagte die Leiterin der Landesstelle. Jedoch arbeiteten weit mehr Berater für die Suchtberatung. Denn viele seien in Teilzeit tätig. Dennoch reichten die Kapazitäten nicht aus. Die Kassen der Kommunen, in deren Zuständigkeit die Suchtberatungen liegen würden, seien oft klamm.

"Ein in die Suchtberatung investierter Euro bringt eine gesellschaftliche Ersparnis von 28 Euro", sagte Meeßen-Hühne mit Verweis auf eine Studie. Denn es fielen Folgekosten, wie die ärztliche Behandlung von suchtkranken Menschen oder die umfangreiche Betreuung - teilweise der ganzen Familien - weg.

Landesstelle für Suchtfragen