Magdeburg (dpa/sa) - Die Sachsen-Anhalter fühlen sich ihrem Bundesland größtenteils sehr verbunden und haben so viel Vertrauen in die Landesregierung wie nie zuvor. Das sind zwei Ergebnisse des aktuellen Sachsen-Anhalt-Monitors, der am Donnerstag von Ministerpräsident Reiner Haseloff, Bildungsminister Marco Tullner (beide CDU) und dem Politikwissenschaftler Everhard Holtmann von der Uni Halle in Magdeburg vorgestellt wurde. Das Forscherteam fragte aber auch nach Einstellungen zur Demokratie und zum Antisemitismus. Ausgewählte Ergebnisse:

VERBUNDENHEIT: Vier von fünf Sachsen-Anhaltern identifizieren sich mindestens ziemlich stark mit ihrem Bundesland. Das ist der gleiche Anteil wie bei der vorherigen Befragung 2018. Allerdings verschoben sich die Intensitäten. 35 Prozent der Befragten fühlen sich Sachsen-Anhalt sehr stark verbunden, zuvor waren es 41 Prozent. Vier Fünftel der Befragten gaben an, dass ein Umzug in ein anderes Bundesland für sie nicht infrage komme, sagte Wissenschaftler Holtmann. Hauptgrund dafür sei, dass ihr Geburtsort im Land liege und sie Sachsen-Anhalt als ihre Heimat sähen.

WIRTSCHAFTLICHE LAGE: Die Sachsen-Anhalter sind bei der Einschätzung ihrer persönlichen wirtschaftlichen Lage pessimistischer geworden. Laut Studie schätzen knapp zwei Drittel ihre eigene Situation als sehr gut oder gut ein. Das sind 14 Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren. Holtmann führt das auf die allgemeine Unsicherheit durch die Corona-Krise zurück. Gleichzeitig sehen die Sachsen-Anhalter ihre eigene Lage positiver als die wirtschaftliche Situation des Landes: Bei dieser Frage sieht ein Drittel eine gute bis sehr gute Lage, jeder Zweite zieht eine gemischte Bilanz. Allerdings glaubt auch die Hälfte der Befragten, dass das Land positive Zukunftsaussichten hat.

VERTRAUEN: Die Landesregierung schneidet bei diesem Aspekt so gut ab wie nie zuvor beim Sachsen-Anhalt-Monitor: Allerdings heißt das trotzdem, dass lediglich knapp die Hälfte den Regierenden weitgehend oder voll und ganz vertraut. Zum Vergleich: Der Bundesregierung vertraut jeder Dritte eher mehr als weniger. Forscher Holtmann erklärt den Vertrauenszuwachs für die Landesregierung mit einem als erfolgreich wahrgenommenen Management der Corona-Krise. Allerdings stammen die Umfragedaten aus einer Zeit vor der zweiten Corona-Infektionswelle und dem Streit um die steigenden Rundfunkgebühren. Von allen staatlichen Institutionen schneidet die Polizei am besten ab: Zwei Drittel der Sachsen-Anhalter geben an, den Ordnungshütern weitgehend oder voll und ganz zu vertrauen.

ANTISEMITISMUS: Der Terroranschlag auf eine Synagoge in Halle im Oktober 2019 hat die Grundhaltung der meisten Sachsen-Anhalter zum Antisemitismus nicht verändert. Nur jeder Fünfte gab an, das Thema anders zu betrachten - die meisten von ihnen sehen ein Erstarken antisemitischer Einstellungen im Land.

Damit liegen sie dem Monitor zufolge nicht falsch: Zwar bleibt der Anteil der Befragten mit klassischen antisemitischen Vorurteilen unverändert gering. Wie vor zwei Jahren stimmen drei Prozent der Befragten der Aussage zu, Juden hätten in Deutschland zu viel Einfluss. Ebenso hoch ist der Anteil derjenigen, die angeben, Juden seien an ihren Verfolgungen mitschuldig. Latenter Antisemitismus nahm hingegen im Vergleich zu 2018 zu. So stimmte jeder fünfte Befragte voll und ganz der Aussage zu, dass er es leid sei, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören. Vor zwei Jahren waren es fünf Prozent. Nur 26 Prozent lehnten diese Aussage komplett ab - bundesweit liegt dieser Anteil mit 38 Prozent deutlich höher.

DEMOKRATIE: Nur jeder zweite Sachsen-Anhalter ist laut Studie entschieden für die Idee der Demokratie im Vergleich zu anderen Staatsformen. Das ist ein Rückgang von elf Prozentpunkten im Vergleich zu 2018. 43 Prozent der Befragten neigen der Demokratie eher zu, eher ablehnend zeigen sich 7 Prozent. Allerdings gibt es vor allem bei den Unter-30-Jährigen einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Demokratieskeptikern. Gut jeder Sechste steht der Staatsform eher ablehnend oder sehr ablehnend gegenüber. Bildungsminister Tullner sagte, diese Ergebnisse müssten diskutiert werden. Sie sollten stärker in die Fortbildung von Lehrkräften zur Demokratiebildung einfließen. Er setze auch Hoffnungen darauf, dass die neue Lehrergeneration mit anderen Konzepten die Schüler erreiche.

Aktueller Sachsen-Anhalt-Monitor