Magdeburg (dpa/sa) - Im Zuge einer nötigen Neuausrichtung der angeschlagenen Norddeutschen Landesbank forcieren die Verantwortlichen eine Abtrennung der sachsen-anhaltischen Förderbank. "Die NordLB unterstützt ausdrücklich die Aufstellung der Investitionsbank als Einzelinstitut", sagte Vize-Vorstandschef Hinrich Holm am Donnerstag in Magdeburg. Konkrete Überlegungen seien im kommenden halben Jahr zu erwarten. Die landeseigene Investitionsbank (IB) gilt als wichtige Unterstützung der Wirtschaft und managt für Sachsen-Anhalt zudem Dutzende Förderprogramme.

Derzeit nutzt die IB die Bankenlizenz sowie IT-Dienstleistungen der NordLB-Mutter. Wegen der anhaltenden Krise der NordLB wird schon länger diskutiert, die Investitionsbank herauszulösen. Die Mutterbank braucht wegen Milliardenverlusten bei der Schiffsfinanzierung und höheren Anforderungen der Bankenaufsicht bis September 3,6 Milliarden Euro frisches Kapital. Die Summe soll vom Haupteigentümer Niedersachsen sowie den weiteren Trägern kommen. Dazu gehört auch Sachsen-Anhalt, das 198 Millionen Euro zuschießen soll.

Die Unterzeichnung der nötigen Verträge steht anders als geplant noch aus. Welche Folgen diese Zeitverzögerungen für die NordLB haben, ließ Vize-Chef Holm offen und beließ es bei der Aussage "kein Kommentar".

Die Weichenstellung für die Zukunft der IB wird hingegen langsam konkreter: Anfang Juli soll eine Arbeitsgruppe Szenarien vorstellen, wie die IB künftig eigenständig oder mit neuen Partnern arbeiten kann. Das kündigte Finanzminister André Schröder (CDU) an.

Parallel dazu läuft eine weitere Umstellung: Weil sich Sachsen-Anhalt auf sinkende EU-Fördersummen einstellen muss, soll das Förderinstitut stärker ins klassische Bankengeschäft einsteigen. Das bedeutet: mehr Kredite vergeben und weniger Zuschüsse ausreichen. Derzeit mache das Darlehensgeschäft etwa 30 Prozent aus, der Rest sei Fördergeschäft, sagte Schröder. Künftig soll sich das Verhältnis umkehren.

Das belegt auch die Bilanz für das Jahr 2018, welche die Investitionsbank am Donnerstag vorlegte: Demnach war jede vierte der knapp 3400 Bewilligungen ein Darlehen. Insgesamt reichte das Institut 569 Millionen Euro aus. Das waren 81 Millionen Euro weniger als 2017. Die Bilanzsumme sank im gleichen Zeitraum um 200 Millionen Euro auf 1,7 Milliarden Euro. Auch der Überschuss ging um zwei Millionen auf 8,5 Millionen Euro zurück. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen sei das dennoch ein sehr gutes Ergebnis, so Finanzminister Schröder.

Die Hälfte der ausgereichten Summe floss in die Wirtschaftsförderung, wie IB-Chef Marc Melzer sagte. Ein besonderer Nachfrageschub sei bei den Programmen für Unternehmensnachfolgen zu verzeichnen. Das liege daran, dass es mehr Fälle gebe, in denen Betriebschefs in Rente gingen und einen Nachfolger brauchten. Im vorigen Jahr wurden den Angaben zufolge 56 Vorhaben finanziert. Das waren mehr als doppelt so viele wie 2017. Im gleichen Zeitraum vervierfachte sich die Fördersumme nahezu auf 19,52 Millionen.