Silstedt l Im Pool toben Mädchen und Jungen ausgelassen. Bei der Hitze selbstverständlich, doch der Ort ist schon außergewöhnlich. Das kleine Becken mit einem Schatten spendenden Überdach steht mitten auf einer Wiese am Waldrand in Wolfsholz - zwischen Wernigerode und Benzingerode gelegen. Dort schlagen seit Jahren die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Silstedt ihr Sommer- und Ausbildungszeltlager auf. Drei große Mannschaftszelte, zwei zum Schlafen, ein Zelt für die Großküche. Die meiste Zeit waren diesmal die Tische und Bänke im Freien aufgestellt. „So sonnig und heiß war es schon lange nicht mehr“, sagt Ronny Leseberg.

Damit habe der Vize-Wehrleiter jedoch keine Probleme. Er und das gesamte Betreuerteam hatten sich darauf eingestellt, dass diesmal mehr Wasser zum Trinken und Planschen gebraucht wurde. „Wir haben viel mehr Säcke mit Leergut als mit Müll gehabt“, sagt Ronny Leseberg, während Jugendwart Toni Hartmann ergänzt: „Lieber eine Wasserschlacht in dieser Form, als ständig Wasser vom Platz pumpen zu müssen.“

Dies sei im Vorjahr der Fall gewesen, erinnert der Jugendwart an das Sommercamp 2017, das gleich nach der Flutkata­strophe im Harz Ende Juli ausgerichtet wurde. Stark- und Dauerregen hatten das Gelände total aufgeweicht, riesige Pfützen hatten sich an manchen Stellen gebildet.

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In Sommer 2018 das ganze Gegenteil, was besonders die 14 Mädchen und Jungen der Kinder- und Jugendfeuerwehr freute. Ungestört von jeglichen Wetterkapriolen konnten sie das vorbereitete Programm in vollen Zügen genießen. Dazu gehörte neben Spiel, Spaß und Sport der stets mit Spannung erwartete Aktionstag als Höhepunkt der Zeltlagerwoche.

Profikoch in der Feldküche

Mit den Fahrrädern ging es nach Wernigerode. Dort wurde das Feuerwehrmuseum besucht. Im Anschluss fuhren die Silstedter ins Waldhofbad zum Baden, bevor sie wieder Richtung Wolfsholz aufbrachen, um rechtzeitig zum Abendessen im Camp zu sein.

Für den Speiseplan und deren Umsetzung verantwortlich waren Mitglieder vom Feuerwehr-Serviceteam und allen voran mit Fabian Oberbeck ein Kochprofi, der beruflich im Hotel Gothisches Haus in Wernigerode tätig ist. „Er kann auch super in der Feldküche den Kochlöffel schwingen“, schwärmen Ronny Leseberg und Toni Hartmann. So sei es kein Problem gewesen, alle Münder stets satt zu bekommen. Ob mit den klassischen Nudeln mit Feuerwehrsoße, der Gulaschsuppe, mit Schnitzel und Geschnetzeltem oder den traditionellen Sandwich-Burgern. „Das Essen war immer spitze“, bestätigen die Kinder auf Nachfrage. Ebenso die Erwachsenen, die das Zeltlager für Ausbildungzwecke nutzen.

Fehlalarm unterbricht Übungen im Camp

16 Frauen und Männer der aktiven Wehr übten sich beispielsweise im Kettensägen, in der Entnahme von Löschwasser aus einem Teich, im Löschangriff selbst und im Umgang mit Tauchpumpen. Mittendrin, berichtet der Vizewehrleiter, „wurden wir zu einem Einsatz gerufen“. Das war Freitagfrüh gegen 8 Uhr. Ausgelöst wurde der Alarm von einer Brandmeldeanlage im Pflegeheim „Zum guten Hirten“ in Wernigerode. „Es war zum Glück nur Fehlalarm“, ergänzt Ronny Leseberg. So konnte der Freitag auch planmäßig ablaufen.

Traditionell werden die Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung, Ehepartner und Eltern sowie Sponsoren zu einem Familiennachmittag eingeladen. Das gemeinsame Kaffeetrinken und Grillen „nutzen wir gern, um Dankeschön zu sagen“, so Wehrleiter Manfred Schönyan. Solch ein Zeltlager sei nämlich kein Selbstläufer.

Immerhin sei es das 46. Jahr in Folge, in dem Silstedter ihr Sommercamp ausrichten. Während der 62-jährige Wehrleiter Schönyan von Beginn an dabei war, „sind wir Betreuer alle damit groß geworden“, sagt Ronny Leseberg. Hat sich etwas entscheidend verändert? „Ja, uns musste man früher in die Zelte treiben. Und unsere Luftmatratzen haben wir mit unserer Puste und nicht mit Strom aufgepumpt.“