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1. FC Magdeburg schafft nächsten großen Schritt zum Klassenerhalt

Der erste Sieg in Rostock seit über 40 Jahren ist für den 1. FC Magdeburg ein weiterer Schritt Richtung Klassenerhalt. Doch es gibt auch großen Sorgen um Sebastian Jakubiak.

Von Dennis Uhlemann Aktualisiert: 12.4.2021, 10:48

Rostock. Spieler, Trainer und Betreuer des 1. FC Magdeburg versammelten sich bereits am Mittelkreis des Ostseestadions. Doch noch bevor sie die Köpfe zu den wohl verdienten Feierlichkeiten im Mannschaftskreis zusammensteckten – immerhin hatten sie gerade einen historischen 2:0 (1:0)-Sieg im Ost-Derby beim FC Hansa Rostock erlangt – überkam sie der Impuls, das Ganze gut 20 Meter Richtung Gästekabine zu verschieben.

Dort lag mit schmerzverzerrtem Gesicht FCM-Mittelfeldmann Sebastian Jakubiak, der sich kurz nach seiner Einwechslung (88.) ohne Gegnereinwirkung verletzt hatte und von Physiotherapeut Tino Meyer behandelt wurde. Verdacht: Achillessehnenriss und damit Saison-Aus. Dass sein Team aber um ihn am Boden herum den Kreis bildete und den Sieg bejubelte, konnte dem 27-Jährigen trotz dieser Aussichten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Generell kümmerten sich seine Mitspieler gut um Jakubiak: Ein sichtlich mitgenommener Dominik Ernst begleitete den humpelnden Blondschopf vom Platz. Ein völlig fertiger Kai Brünker schleppte ihn mit den letzten Kräften in die Kabine. Und Leon Bell Bell, der nicht im Kader, aber trotzdem in Rostock dabei war, trug ihn später huckepack zum Mannschaftsbus.

Einer hilft dem anderen

Das zeigt, wie groß der Zusammenhalt beim FCM aktuell wieder ist. „Seit Wochen zeichnet uns aus, wie jeder dem anderen hilft“, freute sich FCM-Trainer Christian Titz. Und das ist auch ein Erfolgsrezept dafür, dass nach dem 2:0 gegen Ingolstadt das nächste Topteam in die Schranken gewiesen und die Bilanz der jüngsten sechs Spiele auf nunmehr 16 Punkte ausgebaut wurde.

Der Derbysieg in Rostock war der nächste große Schritt in Richtung Klassenerhalt. Der FCM springt damit auf Platz 14 und vergrößert seinen Abstand zum ersten Abstiegsrang auf vier Zähler, was die Fans beim Empfang in Magdeburg am Samstagabend mit Sprechchören und Feuerwerkskörpern gebührend zelebrierten.

Beim letzten Sieg in Rostock traf Streich

Immerhin trugen sich die Drittliga-Kicker an diesem Tag auch in die Geschichtsbücher ein. Es war der erste Erfolg für Blau-Weiß in Rostock seit über 40 Jahren. Beim 3:1 im Oktober 1978 zählten noch Siegmund Mewes, Jürgen Pommerenke und Joachim Streich zu den Torschützen. Letzterer feiert am Dienstag seinen 70. Geburtstag. Und durfte als Gast im Ostseestadion im Duell seiner beiden Ex-Clubs wieder einmal feststellen: Der FCM kann es momentan mit jeder Mannschaft in dieser Liga aufnehmen.

Von Beginn an traten die Magdeburger bei ihrem Ex-Trainer Jens Härtel mit einer Dominanz auf, die den jetzigen Hanseaten „wahnsinnig enttäuscht“ zurückließ: „Wir hatten zunächst keinen Zugriff und sind nur hinterhergelaufen.“

In einer starken ersten halben Stunde erzielte Baris Atik nach feinem Pass von Andreas Müller die verdiente Führung (25.). Und danach überzeugten die Magdeburger mal wieder in der Defensive. 429 Minuten ist die Titz-Elf nun schon ohne Gegentor. Dem Coach imponinierte in den vergangenen Spielen, „wie wir verteidigen, griffig sind, den Gegner anlaufen und nie aufgeben“.

FCM hat das nötige Spielglück

Sicherlich gehöre laut Titz auch mal Spielglück dazu, was der FCM in Rostock mehrfach hatte. Als Bentley Baxter Bahn den Ball kurz vor der Pause gegen den Pfosten knallte (45.), als Andreas Müller bei einem Kopfball von John Verhoek auf der Linie klärte (67.) oder als bei dessen Abseitstor die Fahne hochging und der 1:1-Ausgleich zu Recht nicht zählte (82.).

Letztlich war der Auftritt, unter den Sören Bertram mit einem verwandelten Strafstoß nach Foul an Dominik Ernst den Schlusspunkt setzte, aber wieder einmal sehr überzeugend. Und Titz, der am Ende nur „ein bisschen unzufrieden“ damit war, „dass wir mit den Tempogegenstößen schludrig umgegangen sind“, stellte wieder einmal unter Beweis, wie wichtig seine Verpflichtung im Februar war: Unter dem 50-Jährigen ist der phasenweise schon abgeschriebene FCM auf bestem Wege, den Klassenerhalt sogar vorzeitig klarzumachen. Meinung