FCM

Beck verabschiedet sich tränenreich vom 1. FC Magdeburg

Beim 1:1 (0:0) des FCM am letzten Drittliga-Spieltag rückte das Sportliche in den Hintergrund. Der Nachmittag stand im Zeichen des Abschieds von Vereinslegende Christian Beck, der im letzten Heimspiel sein 149. Tor für die Blau-Weißen erzielte.

Christian Beck stand vor dem Banner der Fans und schaute sich in der Halbzeitpause sein Abschiedsvideo auf der Stadionleinwand an. Die Erinnerungen rührten ihn zu Tränen.
Christian Beck stand vor dem Banner der Fans und schaute sich in der Halbzeitpause sein Abschiedsvideo auf der Stadionleinwand an. Die Erinnerungen rührten ihn zu Tränen. Foto: Eroll Popova

Mit nassen und zerzausten Haaren, heruntergekrempelten Stutzen und einem Dauergrinsen im Gesicht kletterte Christian Beck die Leiter empor, die am Außenzaun des Stadiongeländes an ein Tickethäuschen gelehnt war. Er bedankte sich bei den treuen Anhängern – er versuchte es zumindest. Denn das Mikro war leise, die Fans laut.

Wenige Minuten nach seinem letzten Heimspiel für den 1. FC Magdeburg, einem 1:1 (0:0) gegen Drittliga-Absteiger SpVgg Unterhaching, verspürte Beck in erster Linie Freude über erfolgreiche achteinhalb Jahre im Verein. So wie bei seinem Treffer, dem 149. für den Verein, mit dem er seinen Herzensclub in gewohnter Stürmermanier noch einmal in Führung brachte (50.). „Das war ein tolles Gefühl, das hat alles noch einmal abgerundet“, sagte Beck mit etwas Abstand am Pfingstmontag. „Auch zwei Tage danach ist es schwer, das alles zu realisieren.“

Seine Dankbarkeit äußerte sich auch in Tränen. Wie in der Halbzeitpause, als auf der Leinwand ein Abschiedsvideo mit seinen schönsten Momenten im FCM-Trikot und Grüßen ehemaliger Mitspieler gezeigt wurde. Oder als er nach 65 Minuten, in Anlehnung an das Gründungsjahr des Clubs 1965, ausgewechselt wurde und nahezu der komplette Verein für ihn Spalier stand. „Das war sehr emotional, fast perfekt. Nur die Zuschauer haben gefehlt“, sagte Beck.

Mehrere hundert von ihnen hatten sich dann aber zumindest vor dem Stadion versammelt, Beck mit Geschenken überhäuft, sich letzte Unterschriften vom Idol geholt, sich für ihn noch einmal die Kehlen wundgeschrien. Auch Trainer Christian Titz, der ebenfalls gefeiert wurde, hatte er das Team doch zum Klassenerhalt geführt, zeigte sich begeistert: „Ich habe viel gehört von den Menschen in Magdeburg und wie sie ihren Verein lieben. Doch ich konnte mir das vorher nicht vorstellen.“ Den Trainer freute es „ungemein“, dass Beck und acht weiteren Spielern wie Sören Bertram und Morten Behrens ein gebührender Abschied bereitet wurde: „Das haben sie sich wirklich verdient.“

Ich war traurig und enttäuscht. Ich hätte gern weiter hier gespielt.

Christian Beck

Wobei die Fans ihren „Liebling“ Beck, der in den vergangenen Jahren wie kein Zweiter für den Verein stand und den Club von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga schoss, gern noch länger im blau-weißen Dress gesehen hätten.

Und Beck hätte das FCM-Trikot auch gern noch länger getragen. Die Entscheidung des Vereins, seinen Vertrag nicht zu verlängern, fasste der 1,96-Meter-Hüne deshalb auch „traurig und enttäuscht“ auf. „Als ich das meiner Familie erzählt habe, sind einige Tränen geflossen. Ich konnte es mir zwar schon denken, weil ich nicht mehr so viel Spielzeit hatte, aber wenn man es dann hört, ist es noch einmal etwas anderes. Es war ein Schock. Ich hätte gern weiter hier gespielt.“

Immerhin hat er in seinen 319 Pflichtspielen für die Elbestädter so viel erlebt. Von seinem persönlich schönsten Moment, über den er nicht lange nachdenken muss, dem Drittliga-Aufstieg 2015 in der Relegation in Offenbach: „Da hatte uns keiner auf dem Zettel, aber wir haben es geschafft.“ Bis zu seiner traurigsten Erinnerung, den Zweitliga-Abstieg 2019: „Bis dahin kannten wir ja nur den Weg nach oben.“

Stammplatz verloren, Kapitänsbinde abgegeben

Doch danach nicht mehr. Es folgten zwei Saisons, in denen der Club in der 3. Liga um den Klassenerhalt kämpfte. Im Vorjahr trug Beck mit elf Toren noch seinen Teil dazu bei, in diesem Jahr nicht mehr. Er hatte seinen Stammplatz verloren, seine Kapitänsbinde abgegeben. Und gegen Haching nun sein erst zweites Saisontor erzielt.

Doch ohnehin hatte dieser letzte Spieltag nur noch den Charakter eines Freundschaftsspiels. „Wir haben uns heute gegenseitig nicht wehgetan“, meinte Arie van Lent, der in seinem letzten Spiel als Haching-Coach dank des Treffers von Moritz Heinrich (61.) keine weitere Niederlage einstecken musste.

Als „schwerfällig“ beschrieb Titz den Auftritt. „Da war heute nicht der Zug drin, den ich mir gewünscht habe.“ Darüber war er genauso wenig erfreut wie über die Tatsache, dass sein Team noch auf Platz elf abgerutscht ist. Doch für den Club rückt nun schon wieder das Qualifikationsspiel für den DFB-Pokal am Sonnabend gegen Halle in den Fokus. Dafür soll die „Spannung wieder erhöht“ werden, wie der Coach fordert.

Beck, der über seine Zukunft noch kein abschließendes Urteil gefällt hat, aber eine „große Wahrscheinlichkeit“ darin sieht, bei einem anderen Verein weiterzuspielen, wird dann wohl nicht wieder in der Startelf, im Mittelpunkt stehen. Doch er betonte lächelnd: „Ich hätte nichts dagegen, wenn ich noch einmal für ein paar Minuten spielen darf, um die 150 vollzumachen.“ Es würde passen. Und es würde erneut zeigen, warum die Fans Christian Beck so verehren.