FCM

Behrens verlässt den 1. FC Magdeburg mit viel Wehmut

Nach zwei Jahren beim FCM verlässt Torhüter Morten Behrens den Club Richtung 2. Bundesliga – bei seinen Leistungen kein Wunder. Vor allem die Fans in Magdeburg wird der 24-Jährige vermissen.

Von Dennis Uhlemann
Mit seinen Paraden war Morten Behrens beim 1. FC Magdeburg häufig der gefeierte Held. Auch beim 3:2 am Wochenende gegen Duisburg, für ihn Spiel eins nach dem verkündeten Abschied, hatte er wieder seine Anteile am dreifachen Punktgewinn.
Mit seinen Paraden war Morten Behrens beim 1. FC Magdeburg häufig der gefeierte Held. Auch beim 3:2 am Wochenende gegen Duisburg, für ihn Spiel eins nach dem verkündeten Abschied, hatte er wieder seine Anteile am dreifachen Punktgewinn. Foto: imago images

„Oh Lilien, oh Lilien, oh Lilien“, schallte es am späten Samstagnachmittag aus der Kabine des 1. FC Magdeburg. Die Spieler des Drittligisten hatten eine gute halbe Stunde nach dem 3:2 (2:0)-Sieg gegen den MSV Duisburg die Hymne des SV Darmstadt über die Lautsprecher angemacht und teilweise mitgesungen – angeführt möglicherweise von Sören Bertram, der 2019 vom Zweitligisten kam.

Der Hintergrund: Nun verlässt mit Morten Behrens ein Spieler den FCM in Richtung Darmstadt. Vor dem jüngsten Heimspiel, in dem die Blau-Weißen ihre Ausbeute auf 29 von 33 möglichen Punkten aus den vergangenen elf Spielen ausbauten, wurde der neue Verein von Behrens bekanntgegeben. „Die Jungs wollten mich aus der Reserve locken“, erzählt der Torwart lachend über die Aktion in der Kabine. „Sie haben sich alle für mich gefreut und deshalb die Hymne gegrölt.“

Der Herausforderung in der 2. Bundesliga blickt der 24-Jährige voller Vorfreude entgegen, dennoch spürt er derzeit viel Wehmut. „Es war eine tolle Zeit hier und es ist mir schwergefallen, den Verein zu verlassen. Hier passte vom Umfeld her alles und ich konnte sportlich den nächsten Schritt machen.“

Konstantester Spieler der vergangenen beiden Jahre

Und zwar einen sehr großen, kam der 1,93-Meter-Mann doch im Sommer 2019 als recht unerfahrener Regionalliga-Torhüter der zweiten Mannschaft des Hamburger SV, verdrängte aber schon nach kurzer Zeit Alexander Brunst im Magdeburger Kasten und war nun fast zwei Jahre ein sicherer Rückhalt für den FCM. Mit seinen zahlreichen Paraden, die so einige Punkte retteten, war Behrens der konstanteste Spieler in dieser Zeit.

Dabei zeichnet ihn auch seine Ruhe aus. Zwar haben seit Bekanntgabe seines Wechsels gegen Duisburg noch einmal mehr Personen auf ihn geschaut, „ich bin das Spiel aber entspannt angegangen“, berichtet er. Und empfand die zwei Gegentore als „sehr ärgerlich“. Denn der gebürtige Schleswig-Holsteiner hatte sich zuletzt an das Gefühl gewöhnt, eine weiße Weste zu bewahren. In sieben der vergangenen neun Spiele hielt er die Null – und möchte das in seinen verbleibenden drei Spielen für den FCM im besten Fall noch weitere dreimal.

Zu den abschließenden Ligaduellen beim KFC Uerdingen und gegen die SpVgg Unterhaching sowie dem Landespokal-Duell gegen den Halleschen FC sagt der Keeper: „Wir wollen alle drei Spiele gewinnen und es uns damit selbst beweisen. Für mich persönlich wäre das auch ein toller Abschluss.“

Behrens blickt auf viele Höhepunkte zurück

Trotz des ständigen Zitterns um den Ligaverbleib hatte Behrens während seiner Zeit in Magdeburg aber auch genug Höhepunkte: „Es gab mehrere schöne Momente hier“, betont er und beginnt die Auflistung.

Da sei zuerst einmal sein erstes Pflichtspiel für den FCM überhaupt zu nennen. Sein erster Auftritt auf der großen Fußballbühne in der ersten DFB-Pokal-Runde 2019/20, als die Blau-Weißen nur knapp mit 0:1 nach Verlängerung am Bundesligisten SC Freiburg scheiterten. „Das war ein absolutes Highlight, wir hatten die Freiburger am Rande einer Niederlage. Dazu volles Haus und eine super Atmosphäre“, schwärmt der Norddeutsche, der das aus dem Nachwuchs oder von der HSV-Reserve nicht kannte.

Generell, so lässt es sich bei Behrens heraushören, schätzt er die Magdeburger Fans sehr. Auch an das Heimspiel gegen Rostock in der Vorsaison (0:1) oder das Duell in Kaiserslautern (1:1), bei dem über 5000 FCM-Fans dabei waren, hebt die Nummer eins der Blau-Weißen allein aus Stimmungsaspekten hervor.

Sehnsucht nach Zuschauern ist riesig

In der aktuellen Corona-Spielzeit waren für ihn die Busempfänge nach den Siegen bei Bayern München II (2:0) oder in Rostock (2:0) die Höhepunkte, die er als „unfassbar“ bezeichnet. Entsprechend vermisst Behrens die Zuschauer im Stadion ganz besonders: „Die Sehnsucht ist auf beiden Seiten riesig. Wir haben schon über ein Jahr keine vollen Stadien mehr. Wir würden uns riesig freuen, wieder vor Zuschauern zu spielen. Aber da müssen wir uns noch etwas gedulden.“

Der FCM gab zwar gestern bekannt, dass er den Dauerkartenverkauf für die neue Saison plant. Behrens wird das Gefühl einer vollen MDCC-Arena – zumindest im FCM-Trikot – aber nicht mehr erleben dürfen. Er muss künftig mit der weniger stimmungsvollen Kulisse im Süden Hessens vorliebnehmen. Vielleicht halten ihm dann aber auch seine neuen Teamkollegen aus Darmstadt hin und wieder ein Ständchen in der Kabine.